Stadt Lübeck will Drogentreff Krähenteich auflösen

Bürgermeister Linden stellt Stufenaktionsplan vor

Es gibt sie in allen Städten, die Drogentreffpunkte von Suchtkranken. Am Krähenteich befindet sich ein solcher Ort seit Jahrzehnten, von Anwohnern lange erduldet und oft kritisiert. Immer wieder in die Schlagzeilen geraten, zuletzt durch die Verletzung einer Polizistin vor Ort, reagieren Bürgermeister und Polizei mit einem Aktionsplan, nach dem die Situation am Krähenteich stufenweise entschärft und der Platz in offener Bauweise zurückgebaut und für Sicherheit sorgen soll. Weiterer Kooperationspartner sei die Awo, so Bürgermeister Jan Lindenau, die die fachliche Begleitung der suchtkranken Menschen dort mit zwei Streetworkern bewältigen solle.

Bis April 2020 soll der Drogentreff Geschichte sein

„Obwohl sich die Lage vor Ort durch enge Zusammenarbeit von Stadt und Polizei seit 2017 deutlich verbessert hat, ist eine Stärkung des Sicherheitsgefühls der Anwohner analog nicht automatisch erfolgt“, so Jan Lindenau. „Das nehmen wir sehr ernst“, sagt er und spricht damit von allen Angsträumen, die es in der Stadt – wie am ZOB – gibt.

Bis April 2020 wird der Platz am Krähenteich baulich verändert, Büsche kurzgehalten und Einsicht von allen Seiten umgesetzt. Dabei solle es keine „harte Auflösung“ geben, vielmehr unter Einbeziehung der Awo-Suchthilfe eine beratende und präventive Begleitung der Suchtkranken erfolgen. „Die Versorgung der Suchtkranken ist weiterhin sichergestellt“, bestätigt die Pressesprecherin der Awo Schleswig-Holstein. „Wir wissen, wo sich die Menschen aufhalten und werden uns anpassen.“

Die Drogenszene soll reduziert werden

Zehn weitere Ordnungskräfte sollen ab 2020 für mehr Sicherheit in der Stadt sorgen. Zudem sorge die Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadtverwaltung, Polizei, Awo und weiteren Institutionen dafür, dass lange Behördengänge vermieden werden. Die Gefahr einer Verlagerung des Drogentreffs sehen Bürgermeister und Norbert Trabs, Leiter der Polizeidirektion Lübeck nicht. „Unser Konzept umfasst drei Ziele“, so Trabs: „Die Reduzierung der Szene, keine weitere räumliche Ausweitung sowie die gerichtsfeste Verfolgung von Verstößen.“ Seit 2017 sind 31 Haftbefehle vollstreckt worden, sechs U-Haftbefehle sind noch offen.

Der neue Aktionsplan soll „fein justiert“ werden, so Bürgermeister Jan Lindenau. „Danach sind die Suchtkranken nicht weg. Sie werden woanders in der Stadt auftauchen. Aber wir wünschen keine Ansammlung an anderen Plätzen.“

Die Politik kritisiert die Pläne

Dort setzt die Kritik von Lübecker Politikern an. Michelle Akyurt, Mitglied der Bürgerschaft und Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen: „Das ist der falsche Ansatz und damit nur Makulatur. Mit dem Stufenplan wird es nicht gelingen, die Probleme vor Ort zu lösen. Allenfalls wird eine Verlagerung an einen anderen Ort erreicht.“ Auch die Anzahl der zehn neuen Ordnungskräfte betrachtet sie kritisch. „Besser wäre eine Aufstockung der Streetworker“, sagt sie.

„Seit knapp einem Jahr sprechen wir über ein Drogenberatungsmobil in der Stadt“, sagt der Vorsitzende des Sozialausschusses Ingo Schaffenberg (SPD). Auch er wünscht sich zu den neuen Ordnungskräften mehr Streetworker. Andreas Müller von den Linken in Lübeck gefällt der „Law and Order“-einsatz des Bürgermeisters nicht. Damit seien Politik und Ehrenamtler übergangen worden, die erst kürzlich noch zusammen saßen, um weiter über den Einsatz eines Drogenberatungsmobil am Krähenteich zu sprechen. „Durch die Vorgehensweise des Bürgermeisters wird das Ziel nicht erreicht“, ist Müller sich sicher. „Es braucht deutlich mehr Streetworker.“ Zudem befürchtet auch er eine Verlagerung des Drogenszenetreffs. mpa

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