137 Bleikugeln brachten den Holzvogel zum Sturz

Am Ende eines langen Vogelschießens jubelte Norbert Riege. Der 62-jährige Versicherungskaufmann schoss am späten Montagabend um 22.38 Uhr den Rumpf von der Stange. Verdienter Lohn für diesen Volltreffer: Der wortführende Gildevorsteher André Meyer krönte Norbert, de Stadtloeper mit Frau Sabine zum neuen Königspaar der Eutiner Schützengilde von 1688. Zuvor hatte sich Riege ein spannendes Duell mit Jörg Petersen und Werner Steinfadt geliefert.

Nach der feierlichen Verpflichtung der drei Bewerber auf einen fairen Wettkampf schoss das Trio seit 20.14 Uhr quasi im Minutentakt abwechselnd auf den Korpus des Holzvogels. Dessen mit einem Bleivlies verstärkter Rumpf erwies sich allerdings als so zäh, dass er auch von zahlreichen Geschossen durchlöchert und zersplittert noch fest auf dem Zapfen hing. Erst mit der 137. Bleikugel glückte es Riege, die Überreste des fast schon halbierten Rumpfes abzuschießen. „Ich musste nur die Ruhe bewahren“, kommentierte Riege nüchtern das Geheimnis seines Erfolgs. Geduld und Ausdauer hatte der neue König schon im Vorfeld bewiesen. So war es bereits sein vierter Anlauf, den begehrten Titel zu erringen. „Das ist doch der Wunsch eines jeden Schützenbruders, einmal als König an der Spitze zu stehen und die Gilde repräsentieren zu dürfen“, beschrieb Riege seine Motivation, sich diesen großen Wunsch zu erfüllen.

Kaum minder groß war die Freude bei Christoph Müller, der sich am frühen Abend gegen sechs Konkurrenten die Würde des sogenannten Spaßkönigs sicherte. Die sieben Wettbewerber erwiesen sich dabei als wahre Scharfschützen, die den Holzrumpf des kleinen Vogels systematisch von oben bist zur Mitte einkerbten. 71 Schüsse reichten aus, um dessen Halt zu lösen. Als kleiner König darf Müller im kommenden Jahr die Veranstaltungen der Gilde durch „sittsamen Schabernack“ bereichern und soll auch sonst für lustige Unterhaltung sorgen.

Begonnen hatten die drei heißen Tage des Schützenfestes am Sonnabend mit dem Kinder- und Bürgervogelschießen der Gilde. Dabei war Axel Lensinger mit dem 244. Schuss erfolgreich. Als neuer Bürgerkönig komplettiert er das königliche Eutiner Trio, dass bis 2021 sogar als Quartett auftreten kann. Denn obwohl Holger Reinholdt den Titel des Spaßkönigs an Christoph Müller abgeben musste, bleibt er den Schützenbrüdern als amtierender Dreiländerkönig erhalten, da diese Würde erst 2021 erneut vergeben wird.

Aber auch Ex-Majestät Stefan Wulff, der somit als einziger König „abserviert“ wurde, wird das Fest in guter Erinnerung behalten. So machte „Stefan, der Bewundernswerte“ seinem Beinamen alle Ehre. Zum Start des großen sonntäglichen Festumzugs fuhr er standesgemäß mit Motorradeskorte im offenen Mercedes-Cabrio auf den Marktplatz und wurde vor dem Rathaus von der Spalier stehenden Truppe von Bürgervorsteher Dieter Holst und der stellvertretenden Bürgermeisterin Monika Obieray empfangen. Der bunte Ausmarsch verschiedener Schützengilden und –vereine sowie den Abordnungen befreundeter Verbände und zweier Musikkapellen kreuz und quer durch die Eutiner Altstadt zählte zu den optischen Höhepunkten der Festwoche.

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