Travemünde: Große Beteiligung an „Lübeck übermorgen“

Travemünder wollen mitdiskutieren

In einer Ecke des Saales wurde das Mobilitätskonzept an eine Stellwand gepinnt, in einer anderen verteilten die Entsorgungsbetriebe rote Stoffbeutel mit der Aufschrift „Plastik? Kommt nicht in die Tüte!“ Die Stadt hatte am vergangenen Donnerstag zum Workshop ins A-Rosa Travemünde geladen. Weit über hundert Bürger, darunter auch etliche Politiker aus dem Travemünder Ortsrat, waren dem Aufruf gefolgt.

Bürger sollen ihre Stadtteile mitgestalten

Begrüßt wurden die Gäste von Senatorin Joanna Hagen (parteilos), die den Fachbereich „Planen und Bauen“ leitet. Hagen erzählte von großen Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren, die durchgeführt worden seien und sehr gut angenommen worden wären. Man hätte festgestellt, „dass es eine große Planungsbegeisterung gab“, sagte die Senatorin. „Dieses Feuer, diese Begeisterung“ wolle man nun mit dem Format „Lübeck Übermorgen“ in die Stadtteile weitertragen. Gemeint ist damit ein öffentlicher Workshop, wie es ihn bereits in den Stadtteilen St. Gertrud, St. Lorenz Süd und in Buntekuh gegeben hat.

Wie bekommt man Klimawandel und Tourismus zusammen?

Nun ist Travemünde dran. „Wir beamen uns sozusagen gedanklich in das Jahr 2040“, sagte Hagen. „Wie wird Travemünde im Jahr 2040 sein, und was wird es brauchen? Denn das, was Travemünde im Jahr 2040 brauchen wird, das müssen wir heute schon vordenken, vorkonzeptionieren und in die Verwaltungsschiene schieben, damit wir dann auch entsprechend vorbereiten können.“ Konkret zählte sie die Bereiche Klimawandel, Tourismus, Leben in Travemünde, Schulausstattung, Wohnen, Arbeiten und Mobilität auf. Damit befassten sich die verschiedenen Arbeitsgruppen an zusammengestellten Tischen. Was dabei herauskam, soll später auf der Internetseite www. uebermorgen.luebeck.de veröffentlicht werden.

Politik lobt Engagement der Bürger

Die Travemünder Politik lobte nach der Veranstaltung das Engagement der Bürger, zeigte sich allerdings misstrauisch, was die konkrete Umsetzung von Ergebnissen betrifft. „Viele Travemünder kamen zur Bürgerbeteiligungskonferenz „Lübeck Übermorgen 2040“ ins A-Rosa. Die Gelegenheit, sich in den angebotenen Workshops zu diversen Themen – wie zum Beispiel dem Mobilitätskonzept – einzubringen, wurde gut genutzt“, sagte zum Beispiel Dr. Michael Wiemann (Grüne). „Die Frage bleibt, was von den vielen Ideen und Beiträgen umgesetzt wird. Es gab viele kritische Stimmen unter anderem zu dem Tourismusausbau, der Verkehrssituation und zum Wohnraummangel. Ungeklärt bleibt auch, ob der kostenintensive Aufwand in Relation steht zur tatsächlichen Umsetzung der Vorschläge der Bürger“, sagte er und bedauert, dass ein wichtiges Thema nicht vertreten gewesen sei, nämlich die Digitalisierung. Als Beispiele nannte er die Elektro-Infrastruktur, freies WLAN und zukünftige Formen der Mobilität. Und das „bei einem Umsetzungshorizont bis immerhin 2040!“, so Wiemann.

Besonders spannend: Wohnen und Verkehr

Auch Heino Haase (Die Unabhängigen) lobte das Engagement: „Positiv empfand ich die große Zahl der intensiv diskutierenden Travemünder“, sagte er. „Wohnen und Verkehr bewegt die Anwesenden besonders. Diese Dauerthemen möchten wir bis spätestens 2040 mit bezahlbaren Wohnungen und die Verkehrsprobleme mittels kurzgetakteter, viele Straßen anfahrenden kleinen, autonom fahrenden Bussen gelöst haben. Das gilt auch für an der Peripherie liegenden Parkplätzen.“

Thomas Thalau (CDU) erinnerte an ähnliche Veranstaltungen in der Vergangenheit: „Zum wiederholten Mal gab es einen Workshop. Ich stelle mir die Frage, wo denn die Ergebnisse der bisherigen Veranstaltungen geblieben sind“, sagte er. „Ich fürchte, in irgendwelchen Schubladen“, so Thalau. „Wir haben Probleme, die jetzt gelöst werden müssen und die Verwaltung macht sich aber Gedanken für 2040!“ HN

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