St. Marien: Das Glockenspiel im Süderturm ist nun komplett

Das Glockenspiel im Süderturm von St. Marien ist nun komplett: Die 2400 Kilogramm schwere Glocke mit der Aufschrift „Jegliches hat seine Zeit“ wurde jetzt in den Turm hochgezogen. Ihre Begrüßung findet an Pfingstsonntag, 9. Juni, im Gottesdienst um 10 Uhr statt.

Kosten von rund 150 000 Euro übernahm ein Lübecker Kaufmann

Genau sie fehlte bisher im nun 37-teiligen Glockenspiel. Die große Glocke mit ihrem tiefen C wurde im November vorigen Jahres in der Glockenbaufirma Rincker in Sinn (Hessen) gegossen, ebenso sechs kleinere Glocken und 14 Glocken gestimmt und nachjustiert. Die Kosten von rund 150 000 Euro übernahm ein Lübecker Kaufmann, der der Marien-Kirche und ihren Glocken schon lange verbunden ist. Vor einigen Jahren spendete der Unternehmer bereits den Neuguss von drei kleineren Glocken sowie die Digitalisierung des Uhrwerks und der manuellen Bedienung.

An Pfingstsonntag werden die Glocken begrüßt

„Geweiht wie die Nordturmglocken wird sie aber nicht“, informiert Marienpastor Robert Pfeifer, „da es keine liturgischen Glocken sind. Sie werden von außen angeschlagen und sagen seit dem Mittelalter mit ihren Melodien die Zeit an. Deshalb stehen sie fest im Glockenstuhl, im Gegensatz zu den frei schwingenden Nordturmglocken“. Musikalisch umrahmt den Gottesdienst die Lübecker Knabenkantorei – traditionell werden die Nachwuchssänger an Pfingstsonntag im Konzertchor begrüßt.
„Das Glockenspiel stammt aus dem Jahr 1908 und war in der Katharinen-Kirche in Danzig eingebaut“, weiß Volker Schulze, Vorsitzender des St.-Marien-Bauvereins und ehemaliger Pastor an St. Marien. „Nach den Kriegswirren wurde es 1953/54 in die St.-Marien-Kirche integriert – die große C-Glocke war allerdings abhandengekommen“. Die historischen sieben Uhrschlagglocken im Dachreiter, gegossen 1508 bis 1510, fielen in der Palmarum-Nacht den britischen Bombern zum Opfer. „Dass das Glockenspiel nun wieder komplett ist, freut mich sehr. Viele der kleinen sind neu gestimmt und nun wird der Klang sauberer sein, sodass auch Konzerte direkt an den Glocken möglich sind.“
Genau dazu lädt im Anschluss an den Gottesdienst Kirchenmusiker Johannes Unger ein: Er steigt den Südturm hoch und gibt oben zwei Live-Konzerte für je 25 Gäste. Hierfür sind am St.-Marien-Kiosk Karten erhältlich. Wer keine bekommt, kann die Konzerte auf dem Norderkirchhof bei Kaffee und Sekt genießen.
Das Glockenspiel läutet alle halbe Stunde mit einem Choral dem Kirchenjahr entsprechend: „Immer zur halben Stunde wird ein halber Choral gespielt, daran unterschieden sie die Leute früher von der ganzen Stunde. Und wenn es einen vollen Stundenschlag mit einem vorherigen halben Choral gibt, ist es 11.30 Uhr“, informiert Robert Pfeifer. Viele Einheimische und Touristen wüssten dies nicht und seien verwundert, warum es um halb 12 einen vollen Stundenschlag gebe.

Bildunterschrift:

Angekommen: Daniel Correia (li.) und Jürgen Schwarck holen die C-Glocke zentimeterweise in den Kirchturm. Foto: Steffi Niemann/ KK LL

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