Sorge um Lübecks Trinkwasser

Die Deponie Ihlenberg in Selmsdorf ist wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. (Voegele)

Kontroverse Aussagen um Mülldeponie Ihlenberg – GAL Lübeck fordert Schließung.

Wie sicher ist die Lagerung von hochgiftigem Sondermüll in der DK III Deponie Ihlenberg in Selmsdorf? Seit Eröffnung zu DDR-Zeiten 1979 sorgen sich Selmsdorfer und Schönberger um ihr Trinkwasser. Seit 40 Jahren richtet auch Lübeck den Blick auf die Sondermülldeponie, Umweltverbände und -aktivisten laufen seit Jahrzehnten Sturm, geht es um das Trinkwasser für die Umgebung und Lübeck. Erneut sind erhöhte Tritiumwerte im Gespräch, die im Sickerwasser der Alt-Anlage stark gestiegen seien.

Bei einer Begehung besichtigte Umweltminister Jan Philipp Albrecht mit Politikern Lübecks und Umweltfachleuten die Anlagen in Selmsdorf. „Eine Stilllegung der Deponie hat der Umweltminister dort nicht ausdrücklich gefordert“, sagt Marlis Fitzen, Landtagsabgeordnete der Grünen in Kiel, auf Nachfrage im Anschluss bei der öffentlichen Fraktionssitzung der Grünen in Lübeck. Dringlich sei aber, dass Schleswig-Holstein bald wieder im Deponie-Beirat vertreten sei.

Viele Fragen, viele Antworten: Unter Moderation von Silke Mählendorf, Umweltpolitische Sprecherin der Grünen und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung, nutzten Bürger die Möglichkeit, Fachleuten und dem Geschäftsführer der IAG-Betreibergesellschaft der Deponie, Norbert Jacobsen, Fragen zu stellen. Dabei ging es vor allem darum, wie es mit der Deponie Ihlenberg nach den neuen Befürchtungen um die Trinkwasserbelastung weitergehe und wer darüber entscheide, ob eine Deponie der Größenordnung bei Gefährdung von Menschen und Umwelt kurzfristig geschlossen werden kann.

„Höchste Aufgabe einer Mülldeponie ist doch, die Umwelt zu schützen“, stellte Norbert Jacobsen von der IAG fest. Zudem sei die Ihlenberger Deponie im Bereich der Neu-Ablagerungen seit 1991 im Norden Deutschlands die einzige DK III-Deponie und technisch eine der Besten in Europa. Sie könne gefährliche Stoffe, die zu über 90 Prozent neben Mecklenburg-Vorpommern aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und aus Brandenburg kämen, aufnehmen. Eine mögliche Gefahr über hochgiftiges Sickerwasser aus dem noch zu DDR-Zeiten aufgenommenen alten Sondermülls, das trotz Drainagen und dicken Sperrschichten bis in Lübecker Trinkwasser gelangen könne, sehe er nicht. Durch regelmäßige Überwachung der Grundwasserleiter in der Umgebung sei das Risiko einer Durchsickerung zudem „gut beherrschbar“. Zur Not sei auch eine unterirdische Sperrwand möglich, die das Sickerwasser aufhalte. „Es gibt derzeit auch keine nennenswerte Alternative zur Ihlenberg-Deponie“, sagt er.

Der Ruf nach mehr Sicherheit wird bei den Besuchern der Sitzung deutlich. Aktuell klagt der NABU gegen eine beabsichtigte Erweiterung der Deponie Ihlenberg im Süden der Anlage. Ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung ist seit langem vor dem Verwaltungsgericht in Mecklenburg-Vorpommern anhängig. Angesichts der zutage tretenden Unwägbarkeiten spricht sich Silke Mählenhoff dringend „für eine Neuauflage der Krebsstudie aus dem Jahr 2009“ aus. Diese müsse unbedingt auf Lübeck ausgeweitet werden. Auch regelmäßigere Kontrollen des Oberflächenwassers sollen erfolgen und über das nachträgliche Einbringen künstlicher Barrieren im Boden, technisch bis zu 80 Meter Tiefe möglich, nachgedacht werden. „Die Deponie in unmittelbarer Nachbarschaft zu Lübeck ist mit seiner Alt-Anlage ein Relikt aus der Zeit vor der Wiedervereinigung“, sagt Thorsten Fürter, Bürgerschaftsmitglied der Grünen. „Wir fordern eine vorzeitige Schließung vor dem Jahr 2035 und die Suche eines geeigneteren Standortes.“ mpa

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