Sanierung der Wisser-Schule am Berg wäre machbar

Das neue Raumprogramm passt an den Standort der Wilhelm-Wisser-Schule in der Elisabethstraße. (Graap)

Ausschuss setzt auf bisherigen Standort – Kostenvergleich fehlt.

Die Befürworter der Modernisierung der Wilhelm- Wisser-Gemeinschaftschule am bisherigen „Standort Berg“ in der Elisabethstraße sind begeistert. Die Kritiker dieser Lösung bleiben skeptisch. Weil die Machbarkeitsstudie zur Umsetzung des vorgelegten Raumprogramms positiv ausfällt, hat der städtische Schulausschuss am Dienstag mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP beschlossen, die zukünftige Schulentwicklung der Wisser- schule am „Standort Berg“ zu zentralisieren.

Das Architekturbüro „Ewers Dörnen + Partner“ hat es zu 99 Prozent geschafft, das mit der Schulleitung abgestimmte Raumprogramm auf den Bestandsort zu übertragen. Am Ende würden 63 Prozent der Schule aus Neubauten bestehen: ein Trakt mit Klassenräumen, eine 2-Feld-Turnhalle, ein Foyer mit Aula sowie eine Tiefgarage. Im umzubauenden Altbau sollen Fach- und Verwaltungsräume entstehen. Kostenpunkt: 33,6 Millionen Euro. Die Bauzeit würde 36 Monate betragen, in der Schüler und Lehrer mit reichlich Baulärm rechnen müssen. Schulleiter Sven Ulmer gab zu bedenken, dass während der Bauphase die Sporthalle und Fachräume wegfallen würden. „Es gibt erhebliche Beeinträchtigungen, das kann man nicht schönreden“, sagte Architekt Torsten Ewers.

CDU, FDP und Grüne betonten, dass das Architektenbüro eine überraschend gute Lösung mit hoher Qualität dargestellt habe. „Um diese Schule wird man Eutin beneiden“, stellte die Ausschussvorsitzende Monika Obieray (Grüne) sogar fest und warnte gleichzeitig davor, die Diskussion auf Baulärm zu reduzieren. Noch viel längere Zeit Baulärm erdulden müssten die Grundschüler am Kleinen See,

wenn dort ein Schulzentrum gebaut werden würde, warf Sascha Clasen (CDU) ein.

Bürgermeister Carsten Behnk appellierte an die Bürgerinitiative (BI) „Vernunft macht Schule“, ihr Bürgerbegehren zurückzuziehen. Die Beibehaltung des Schulstandortes in der Elisabethstraße verkürze die Bauabläufe, sei die wirtschaftliche Alternative, weil weniger neu gebaut werden müsste, und sei verkehrstechnisch und städtebauliche die bessere Lösung. Außerdem unterschlage die BI, dass die Schulkonferenz der Grundschule sich gegen ein gemeinsames Schulzentrum positioniert habe. BI-Sprecher Thorben Junge gab zwar zu, dass die Studie die Raumfrage toll gelöst habe, „auf den ersten Blick kann ich allerdings nicht erkennen, warum die Sanierung besser als ein Neubau am Kleinen See sein soll. Und wir wissen immer noch nicht, was wir dafür ausgeben werden. Eine so anspruchsvolle Schule im Bestand zu bauen, ist sehr ambitioniert“, betonte Junge.

Für SPD, FWE und DFWE gab es noch zu viele offene Fragen, als dass man sich am Tag der Vorstellung der Studie sofort auf einen Standort hätte festlegen können. „Man sollte die Standortentscheidung vertagen, bis ein Kostenvergleich mit einem Schulzentrumsneubau am Standort Kleiner See vorliegt und die Schulkonzerenz ordnungsgemäß beteiligt wurde“, forderte Sigrid Jürß (DFWE). Malte Tech (FWE) wies auf zahlreiche Unwägbarkeiten hin – etwa, dass der Abstand zu den Nachbargrundstücken zu gering sei und auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung fehle. SPD-Fraktionschef Hans-Georg Westphal betonte: „Wir reden hier über die größte Einzelinvestition der Stadt überhaupt. Da ist es nur recht und billig, sich noch ein paar Monate Zeit zu lassen und die Wähler bei einem Bürgerentscheid im Mai zu fragen.“ Eine Verschiebung wurde mehrheitlich abgelehnt: „Als gewählte Stadtvertreter haben wir Verantwortung und sollten nicht so feige sein, Entscheidungen abzugeben. Wir müssen Position beziehen“, meinte Monika Obieray. Fest steht jedoch: Wenn die Kommunalaufsicht das Bürgerbegehren der BI mit 1850 Unterschriften als erfolgreich bestätigt, kommt es voraussichtlich zur Europawahl am 26. Mai ohnehin zu einem Bürgerentscheid, bei dem die Standortfrage endgültig geklärt wird.

Die komplexe Thematik hat aber noch weitere Aspekte: Weil an der Wisser-Schule eine 2-Feld-Sporthalle nun doch Platz findet, werden die Planungen für eine 3-Feld- Halle am Güterbahnhof eingestellt.

Das wiederum enttäuscht die Sportvereine, die für Wettkämpfe eine größere Sporthalle mit Zuschauertribüne benötigen. Für die neue Grundschule am Kleinen See ist nur eine 1,5-Feld-Halle vorgesehen.

Würde die Stadt diese vergrößern wollen, ist das natürlich auch mit Kosten verbunden, die in einen Gesamtkostenvergleich eigentlich mit einfließen müssten. vg

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