Urlaub mit Perspektivwechsel

Ziehen an einem Strang (v.li.): Bürgermeisterin Tanja Rönck (Malente), Landesminister Bernd Buchholz, TZHS- Leiterin Caroline Backmann und die Bürgermeister Carsten Behnk (Eutin) und Lars Winter (Plön). (Graap)

Neues Tourismuskonzept für die Holsteinische Schweiz vorgestellt – Binnenland hat Potenzial.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz nennt sie „eine wachzuküssende Schönheit“. Caroline Backmann, Chefin der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz (TZHS), spricht von einem „Geheimtipp – attraktiv, aber wenig bekannt“. Was zu tun ist, um die Holsteinische Schweiz als Urlaubsziel voranzubringen, beschreibt das frisch erarbeitete Tourismusentwicklungskonzept (TEK) „Holsteinische Schweiz 2030“. Darin enthalten sind 48 konkrete Projekte, die die acht Mitgliedskommunen der TZHS nach und nach anpacken können.

170 touristische Akteure und kommunale Vertreter aus Malente, Eutin, Bosau, Schönwalde, Plön, Bösdorf, Dersau und Grebin hatten sich am Montag im Rittersaal des Plöner Schlosses versammelt, um der Vorstellung des Strategiepapiers für die langfristige Entwicklung der Region beizuwohnen. In einem Grußwort machte Minister Buchholz deutlich, wie richtig es ist, als Region zu denken und ein „Stückchen aus der Kirchturmperspektive“ herauszukommen. „Vom Tourismusboom im Land profitieren vor allem die Küsten. Das Binnenland hat Potenzial, touristisch noch mal richtig Fahrt aufzunehmen. Das Konzept ist Basis für eine bessere Förderung durch das Land“, betonte er. Die Erfahrungen zeigten, dass öffentlichen Investitionen stets ein Vielfaches an privaten Investitionen folgen würden.

Die amtierende TZHS-Verbandsvorsteherin, die Malenter Bürgermeisterin Tanja Rönck, hob hervor, dass die Entwicklung in der Region mit Augenmaß passieren und nachhaltig sein müsse. „Das Papier enthält außerdem eine umfassende Wertschöpfungsanalyse, damit der Wert des Tourismus‘ für die Region erkennbar wird“, so Rönck. Die Zahlen sprechen für sich: Allein 4,6 Millionen Euro kommunales Steueraufkommen generiert der Tourismus pro Jahr. Die touristische Wertschöpfung der Region beträgt neun Prozent und liegt damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von fünf Prozent. Das sei ein klares Signal für Investoren. „Der Tourismus hat eine tragende Rolle für die Region als Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort“, erläuterte Kai Ziesemer vom Kieler Forschungsinstitut NIT, das zusammen mit den Lübecker Landschaftsarchitekten TGP das Konzept erarbeitet hat. Ziesemer nannte als zentrale Leitidee des TEK den „Perspektivwechsel“: Wer den Blick anders auf Dinge richte, werde das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen entdecken. „Bekanntes wird neu inszeniert und erlebt.“

Diesen Denkansatz sollten aber auch alle Akteure und Entscheidungsträger verinnerlichen und vorleben. Die Liste mit konkret angedachten Vorhaben für touristische Infrastrukturprojekte geben dazu Anlass. Zu den vordringlichen Leitprojekten zählen unter anderem die touristische Inwertsetzung des Schönow-Geländes in Malente, die Entwicklung des Seeschaarwaldes in Eutin und die Planung einer Sommerrodelbahn auf dem Bungsberg. Eine dezidierte Marketingkampagne soll 2019 entwickelt werden. Und da hofft TZHS-Geschäftsführerin Caroline Backmann auf mehr Mut der Kommunen. Die Höhe des bisherigen Werbebudgets von 250000 Euro nötigte selbst Wirtschaftsminister Buchholz ein mitleidiges Schmunzeln ab. vg

Infos zum Netzwerk
Um Natur und Tourismus in der Holsteinischen Schweiz zu entwickeln, gibt es auch ein größeres Netzwerk von Institutionen in der Region, die eng zusammenarbeiten. Neben der Tourismuszentrale, die das Marketing betreibt, gehören drei weitere Partner dazu: Der Verein „Naturpark Holsteinische Schweiz“ kümmert sich um die Entwicklung und Sicherung von Naturerlebnismöglichkeiten und Umweltbildung.

Die „AktivRegion Schwentine-Holsteinische Schweiz“ setzt Impulse für den ländlichen Raum und verteilt Fördermittel von EU und Land. Und im Fokus der „Integrierten Station Holsteinische Schweiz“

stehen die Naturschutzarbeit und Betreuung von Schutzgebieten.

Vor dem Hintergrund des Streits um den Umzug des Naturpark-Hauses von Plön nach Eutin appellierte TZHS-Chefin Caroline Backmann an die Politik, dieses Netzwerk nicht durch übereilte Entscheidungen zu schwächen. vg

Die Region ist eine wachzu-

küssende

Schönheit.“

Dr. Bernd Buchholz,

Wirtschaftsminister

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