Schlutuper Apfel- und Naschgarten eingeweiht

Die Willi-Brandt-Schule hat ihr Klassenzimmer im Grünen einweiht. Der Schrebergarten in der Ottostraße, Teil des dortigen Kleingarten-Vereins, präsentiert sich üppig blühend mit einem massiven Holzhaus, das den AGs als Unterrichtsraum dient.

Der Schulgarten der Willi-Brandt-Schule (WBS) entstand aus der von der Propp-Stiftung unterstützten Nachmittags-AG „Obst- und Naturabenteuer“, die seit Januar 2016 vom Hanse-Obst e.V. angeboten wird. Aufgrund des großen Interesses seitens der Schüler reifte die Idee zur Schaffung eines eigenen Gartens, die Diplom-Soziologe Heinz Egleder, maßgeblich gefördert von der Propp-Stiftung, aufgriff.

Nicht verpachtete Kleingärten sollen in Lübeck zu Lernorten werden

Parallel dazu entwickelten Hans-Dieter Schiller, der Vorsitzende aller Lübecker Kleingärtner, und Hanse-Obst-Mitbegründer Egleder das Projekt „Lübecker Leergärten zu Lehrgärten“ zu machen. Nicht verpachtete Kleingärten sollen in Lübeck zu Lernorten und zu Schmuckstücken werden. Hinzu kam der Lübecker Streuobstwiesen-Pädagoge Ulrich Praedel, ebenfalls von Hanse-Obst e.V., der federführend den WBS-Schulgarten anlegte.

Die Projektidee eines Lehrgartens ist alt

Schon 1657 forderte Johann Comenius in seiner „Didactica magna“, dem Ursprungswerk der Didaktik, ein „Lernen von der Natur“. Auch die Lehrpläne des Landes Schleswig-Holstein für den Elementarbereich fordern Freiland-Unterricht.

Kinder probieren etwas direkt vom Beet

Diesen gibt es seit zwei Jahren mit wachsender Begeisterung auf der KGV-Parzelle 514 in Schlutup. „Ein großartiges Projekt“, nennt es Silke Luhmann aus der WBS-Schulleitung. „In diesem Klassenzimmer im Grünen“, so Mitinitiator Egleder, „sehen Kids erstmals einen Regenwurm oder probieren etwas direkt vom Beet.“ Das Konzept für diesen Mustergarten, offizieller Name „Schlutuper Apfel- und Naschgarten“, entwickelte Naturpädagoge Ulrich Praedel: Alles ist dort essbar. Obst, Beeren, Wildkräuter, ja sogar sämtliche Blumenblüten. Hier meldet sich auch fast vergessenes Gartengemüse zurück – wie Erdbeerspinat, Gartenmelde und Guter Heinrich – eine kulinarische Entdeckungsreise pur. „Wow, das schmeckt ja super“, so die Aussage eines Schülers nach dem Verzehr einer Lakritz-Tagetes.

Nisthilfen für Vögel, Schmetterlinge, Wildbienen und Fledermäuse

Der Garten wirkt ordentlich und gepflegt, fügt sich aber nicht in das allgemeine Schrebergarten-Klischee: Eine Miniatur-Benjeshecke wird eingerahmt von Alpenjohannisbeeren, Gemüsebeeten und einer bunten Blütenwiese; im Garten sind Nisthilfen für Vögel, Schmetterlinge, Wildbienen und Fledermäuse. Verschiedene Tierarten haben sich dort angesiedelt, unter anderem eine Erdkröte und zwei Mooreidechsen, von den Kindern „George“ und „Rocky“ genannt.

Mustergarten ist Teil der „Essbaren Stadt Lübeck“

Als der Schlutuper Apfelgarten zum Lehrgarten wurde, waren die einzelnen Schritte zuvor mit dem Gemeinnützigen Kreisverband Lübeck der Gartenfreunde und mit der Hansestadt Lübeck abgestimmt, denn der Mustergarten ist zugleich Teil der „Essbaren Stadt Lübeck“. Pächter der Parzelle ist die Willy-Brandt-Schule. Ein lokaler Sponsor zahlt die Pacht für zunächst fünf Jahre. Hanse-Obst betreut den Mustergarten mit Schülern in Nachmittags-AGs. Alle Lehrer kennen die Nummer des Zahlenschlosses und können jederzeit mit ihren Klassen in den WBS-Schulgarten kommen, Projekttage sind geplant.

Gelder von der Lübecker Propp-Stiftung

Auch andere Schulen, etwa die Gotthard-Kühl-Schule oder die Albert-Schweitzer-Schule, haben zusammen mit dem Hanse-Obst e.V. aus „Leergärten Lehrgärten“ gemacht. Um verwilderte Schrebergärten herzurichten, werden in der Regel erhebliche finanzielle Mittel benötigt. Für den Schlutuper Mustergarten hat die Lübecker Propp-Stiftung Gelder zur Verfügung gestellt, die Gerd Goth-Grell-Stiftung aus Norderstedt sponserte Bäume und Pflanzen, die in Schlutup ansässige Firma Nordgetreide beteiligte sich und einmalig für die Garten-Infrastruktur gab die Lübecker Possehl-Stiftung einen angemessenen Zuschuss: Die KGV-Parzelle 514 erhielt einen Wasser- und Stromanschluss, ein schmuckes Gartenhaus, und eine Kompost-Toilette wurden gebaut. Zum ersten Termin der Obst-Abenteuer-AG im neuen Schuljahr besuchten 23 begeisterte Kinder aus den Klassen 2-7 ihren ertragreichen Naschgarten.

 

Foto oben: Der Schrebergarten in der Ottostraße, Teil des dortigen Kleingarten Vereins, präsentiert sich üppig blühend mit einem massiven Holzhaus.

Foto unten: Fast zu schön zum Naschen ist diese Dekoration aus Blumen und Gemüse. © hfr

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