Neues Angebot der Migrationsberatung der Gemeindediakonie Lübeck

Familienzusammenführung ist ein viel diskutiertes Thema der aktuellen Asylpolitik. Die Migrationsberatung der Gemeindediakonie Lübeck bietet diese seit August im Rahmen eines geförderten Projekts als offiziellen Beratungsschwerpunkt an.

Bis Ende Juli 2021, also für drei Jahre, fördert die Deutsche Fernsehlotterie eine halbe Personalstelle dafür. Migrationsberater Abdulla Mehmud bietet nun für Lübeck eigene Sprechstunden im Rahmen der Familienzusammenführung an. „Unsere beantragte Zielgröße sind 75 Klienten im Jahr“, erklärt Mehmud, „diese Zahl werden wir aber vermutlich innerhalb eines halben Jahres erreichen.“ Den großen Beratungsbedarf kann die Gemeindediakonie allein nicht abdecken, daher müssen auch andere Lübecker Beratungsstellen diese Aufgabe weiterhin mit übernehmen.

Regelmäßiger Austausch mit Rechtsanwälten, Behörden und Botschaften

Schon lange ist Abdulla Mehmud regelmäßig im Austausch mit Rechtsanwälten, Behörden und Botschaften, ist mit der Internationalen Organisation Migration (IOM) vernetzt. Vor dem Beginn der Fördermaßnahme hat er sich speziell zum Thema Familienzusammenführung schulen lassen. „Das Thema ist komplex, die Gesetzeslage ändert sich ständig“, so der gebürtige Kurde mit deutscher Staatsangehörigkeit. „Seit dem 1. August 2018 können auch Asylbewerber mit einem so genannten subsidiären Schutz – also Geflüchtete aus Bürgerkriegsländern – wieder einen Antrag auf Familiennachzug stellen.“ Dieses Recht sei zuvor mehr als zwei Jahre lang ausgesetzt gewesen. Allerdings dürften aus dieser Personengruppe bundesweit nur bis zu 1000 Familienangehörige monatlich einreisen. „Das ist sehr wenig“, so Mehmud. „Zudem dauern die Verfahren sehr lange.“

Asylstatus bei nachgewiesener, persönlicher politischer Verfolgung, Bedrohung und Folter

Durch die Gesetzesänderungen sei auch eine ungerechte Situation entstanden, die die Menschen zusätzlich frustriere. „Nach 2016 haben viele Syrer nur noch den subsidiären Schutz erhalten, also ein Bleiberecht für die Dauer des Bürgerkrieges. Andere, die früher geflohen sind, genießen aus den gleichen Fluchtgründen einen besseren Asylstatus.“ Dieser greife inzwischen nur noch bei nachgewiesener, persönlicher politischer Verfolgung, Bedrohung und Folter.

Menschen versuchen, Familien auf illegalem Weg nachzuholen

Folge: „Tausende von Klagen“, erklärt Mehmud. „Viele versuchen auch, ihre Familien auf illegalem Weg nachzuholen, oder sie kehren zurück.“ Die Verzweiflung gerade bei den Familienvätern sei groß: „Die Männer weinen bei mir.“ Es gebe auch Fälle, wo zurückgebliebene Ehefrauen sich scheiden lassen wollten, „weil sie nicht verstehen, dass es Jahre dauert“, berichtet Abdulla Mehmud. Besonders schlimm sei es, wenn im Falle eines Familiennachzuges zu unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten zwar die Eltern kommen dürfen, nicht aber die minderjährigen Geschwister. Sein Fazit: „Alle Fälle sind Härtefälle. Integration kann nur funktionieren, wenn die Menschen Sicherheit und Stabilität erfahren.“

Gemeindediakonie Lübeck bietet Sprechstunde zur Familienzusammenführung

Am Dienstag, 25. September, um 17 Uhr hält Abdulla Mehmud im Rahmen eines offenen Sprachcafés einen Vortrag über das Projekt – und zwar im großen Saal der Kirchenkanzlei, Bäckerstraße 3-5. Sprechstunde Familienzusammenführung: Montags 8.30 bis 10.30 Uhr im Haus der Diakonie, Mühlentorplatz 1.

 

 

Foto: Migrationsberater Abdulla Mehmud im Gespräch mit einer Klientin. © Valeska Achenbach

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