Eutiner Arztpraxis als Beispiel für gelungene Integration

Die Syrerin Hanadi Alher bekommt in der Gemeinschaftspraxis von Reimar Busse und Dr. med. Gerd Petersen in Eutin einen Ausbildungsplatz als Medizinische Fachangestellte.

Ihr Chef, der Arzt Reimar Busse, ist begeistert von seiner neuen Auszubildenden: „Ihre Motivation ist unglaublich. Sie passt einfach zu uns.“ Hanadi Alher ist vor drei Jahren mit ihren drei Kindern aus Syrien geflüchtet. In der Gemeinschaftspraxis von Reimar Busse und Dr. med. Gerd Petersen in Eutin absolviert sie seit August eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. „Ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Integration“, lobt der Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein, Karsten Marzian.

Hanadi Alher unterstützt Flüchtlingsfrauen bei Behördengängen oder Arztbesuchen

„Wir sind sehr stolz auf diese Frau“, betont auch Kathrin Kunkel, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Jobcenter. Hanadi Alher zeige eine bewundernswerte Zielstrebigkeit und Hilfsbereitschaft. Neben der Organisation ihres eigenen Haushaltes mit drei Töchtern, einer Elfjährigen und Zwillingsmädchen im Alter von zehn Jahren, habe sie anderen Flüchtlingsfrauen bei Behördengängen oder Arztbesuchen geholfen und im Jobcenter als Dolmetscherin vermittelt. Die deutsche Sprache lernte sie auch mithilfe der Kinderbücher ihrer Töchter.

Patienten zeigen großes Interesse an dem Schicksalder Syrerin

„Die Grammatik“, sagt die 33-Jährige lachend auf die Frage, was ihr in Deutschland bisher am schwersten gefallen sei. Sonst überwiegen positive Erfahrungen bei ihren Bemühungen, sich hier eine neue Heimat aufzubauen. Im Praxisbetrieb würden die Patienten großes Interesse an ihrem Schicksal zeigen. Hanadi Alher ist gebürtig in Idlib, einem zurzeit schwer umkämpften Gebiet, und hat lange Zeit in Aleppo gelebt. Dort hat sie bereits in einem Krankenhaus eine Ausbildung gemacht, aber noch nicht praktisch gearbeitet. Sie ist eine von 250 anerkannten Asylbewerbern, die in diesem Jahr mit Unterstützung des Jobcenters in Ausbildung gegangen sind oder einen Arbeitsplatz gefunden haben. Nach einem Praktikum in der Arztpraxis sei die Entscheidung zu ihren Gunsten schnell gefallen, erzählt Busse. „Es war für uns keine Frage, einer Frau mit dieser Fluchterfahrung, die quasi alles aufgegeben hat, eine neue Chance zu geben.“

Sprach- und Integrationskurse für Migranten und Flüchtlinge

Das Jobcenter Ostholstein betreut aktuell rund 1300 anerkannte Asylbewerber. Rund 600 nehmen an einem Sprach- und Integrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge teil oder an einem Qualifizierungsangebot. „Gemessen an der Zahl der anerkannten Asylbewerber hat das Jobcenter Ostholstein von allen anderen Jobcentern im Lande mit rund 18 Prozent die höchste Integrationsrate in Ausbildung und Arbeit“, erklärt Marzian. Die Fachkräftesicherung, Integration von anerkannten Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt und Jobs für Eltern seien Schwerpunkte in der Arbeit des Jobcenters.

Personalnachfrage im Kreis Ostholstein wird weiter steigen

Marzian prognostiziert: „Bis 2025 sinkt die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren im Kreis Ostholstein um rund 15000 oder zwölf Prozent. Die Personalnachfrage wird weiter steigen.“ Kathrin Kunkel weist darauf hin, dass mit Hanadi Alher eine Mutter von drei Kindern zu einer qualifizierten Fachkraft ausgebildet werde: „Nur die Unternehmen, die auch das Beschäftigungspotenzial der Eltern nutzen, werden im zunehmenden Wettbewerb um Arbeitskräfte in Ostholstein einen Vorsprung haben.“ Unterstützung erfährt die Auszubildende in der Kinderbetreuung bisher von ihrem Ehemann. Dieser wird zwar ab Oktober ebenfalls eine Arbeitsstelle antreten, aber ihr Chef Reimar Busse ist sich sicher, dass sie sowohl die beruflichen als auch die familiären Anforderungen meistern wird. bol

 

Foto: Nach dem Praktikum hat die Syrerin Hanadi Alher einen Ausbildungsplatz beim Eutiner Arzt Reimar Busse bekommen. © Manuela Boller

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Eine Antwort auf „Eutiner Arztpraxis als Beispiel für gelungene Integration“

  1. Petra Stolten sagt:

    Hallo Hanadi,
    noch einmal meinen herzlichsten Glückwunsch zur bestandenen Prüfung heute !!! Und „Danke“ noch mal für die zweite Fahrt heute nach Segeberg;-))
    Meinen größten Respekt vor dieser tollen Lebensleistung. Damit werden Sie Ihren Kindern immer ein Vorbild sein.
    Wer weiß, vielleicht nehmen Sie irgendwann meinen Platz im Team der Ausbilderinnen ein. Ich gehe am 1.9.23 in Rente. Bis dahin schön fleißig in der Praxis arbeiten, Berufserfahrung sammeln, sich fortbilden und dann bewerben. Ich lege für Sie gerne ein gutes Wort ein. Aber heute heißt es erst einmal feiern! Ganz liebe Grüße
    Ihre Petra Stolten

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