Pfadfinder: ausgestorben?

Warum wollen so viele Kinder und Jugendliche Pfadfinder werden? Die „St. Stephanus Eichhörnchen“ sprechen über Vorurteile und die Pfadfinderarbeit.

Omas über die Straße helfen und Kekse in der Nachbarschaft verteilen: das verbreitete Bild von Pfadfindern. Trotzdem zählt die Pfadfinderbewegung in Deutschland aktuell über 260 000 Mitglieder und die Zahl steigt immer weiter. Warum wollen so viele Kinder und Jugendliche denn heutzutage noch ein Pfadfinder werden? Die Pfadfinder der St. Stephanus Gemeinde in Lübeck beantworten uns diese Frage.

Jeder kann bei den Pfadfindern mitmachen

„Oft wird ein sehr veraltetes und verdrehtes Bild von den Pfadfindern verbreitet“, erzählt Pascal Rojewski, Pfadfinder der „St. Stephanus Eichhörnchen“. Als die Pfadfinderbewegung 1907 gegründet wurde, durften nur Jungen beitreten. Heute kann jeder bei den Pfadfindern mitmachen – ob weiblich oder männlich, ob alt oder jung. Vor allem durch amerikanische Filme wird vermittelt, dass Pfadfinderei nur daraus besteht, älteren Menschen über die Straße zu helfen oder mit Keksen von Haus zu Haus zu gehen. „Wir versuchen zwar, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen und zu helfen, wo wir können, aber zum Pfadfinder sein gehört so viel mehr,“ so Pascal Rojewski.

Woran erkennt man einen Pfadfinder?

Die Pfadfinder erkennt man an der grünen Pfadfinderkluft, auf der nach und nach immer mehr Aufnäher hinzu kommen. Die bekommt man zum Beispiel für Lager oder Helfereinsätze. Wichtig ist auch das Halstuch, dessen Farbe den Stand des jeweiligen Pfadfinders anzeigt. Diese Kleidung zeigt zum einen die Zugehörigkeit zu den Pfadfindern und zum anderen hebt sie gesellschaftliche Unterschiede auf.

Mitglieder der Pfadfinder der St. Stephanus Gemeinde in Lübeck

Seit der Gründung der „St. Stephanus Eichhörnchen“ im Jahre 2008 sind fast zehn Jahre vergangen und der Stamm zählt nun mehr als 60 Pfadfinder. „An der Pfadfinderei gefällt mir besonders die Vielfältigkeit: ob wir nun am Lagerfeuer sitzen und singen, Spiele spielen oder basteln. Natürlich lernen die Kinder auch pfadfinderische Dinge, wie man ein Feuer macht oder richtig mit Werkzeug umgeht. Da wir dem Verband Ring Evangelischer Gemeindepfadfinder angehören, stehen auch christliche Inhalte auf dem Plan“, erklärt Andreas Deh, Diakon der Gemeinde und heutiger Stammesleiter. „Meine Aufgabe als Leiter des Stammes ist es, die Kinder und Jugendlichen zu unterstützen und christliche Werte zu vermitteln.“ Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen ohne viele Vorgaben zur Selbsterziehung zu helfen, sodass sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu handeln.

Raus aus dem Alltag – rein in die Natur

„Die Pfadfinderei ist wie eine Parallelwelt. Man kann der Realität einfach enfliehen und abschalten, weil man so viel Spaß und andere Aufgaben hat, dass man nicht mehr jede zwei Sekunden auf sein Handy guckt. Ich bin jetzt schon von Anfang an Pfadfinder der St. Stephanus Eichhörnchen und es hat mein Leben geprägt, da ich dort meine besten Freunde kennengelernt und nützliche Dinge gelernt habe“, schwärmt Morten Peters, ein Pfadfindermitarbeiter und Gründungspfadfinder.

Was machen eigentlich Pfadfinder?

Das Pfadfinderjahr beinhaltet Gruppenstunden, Pfadfindergottesdienste, Pfingstlager, Friedenslichter, Wanderungen oder Helfereinsätze, wie zum Beispiel den Kirchentag. Der Höhepunkt im Jahr ist das Sommerlager. Eine Woche lang sind die Pfadfinder Tag und Nacht an der frischen Luft. Für die Rundumbespaßung der Kinder ist auch gesorgt: die Mitarbeiter planen Geländespiele, Sportturniere und Wanderungen. Durch Theaterstücke werden den Kindern biblische Texte nähergebracht. Löffel schnitzen, Körbe flechten, Fackeln aus Wachs und Holz herstellen – bei verschiedenen Workshops können die Kinde ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen. Der Abend klingt dann mit Liedern am Lagerfeuer aus.  JM

 

Foto: Die „St. Stephanus Eichhörnchen“ genießen die schöne Natur auf einer Tageswanderung.

Foto unten: Der Pfadfinder Pascal Rojewski beweist sein handwerkliches Geschick
beim Holzhacken. © Jule Müller© Jule Müller

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