Aufbruchstimmung am Traveufer

Wird die Untertrave  tatsächlich die neue Flaniermeile in Lübeck? „Auf jeden Fall“, sagen die ansässigen Gastronomen. Am Drehbrückenvorplatz macht sich Aufbruchstimmung breit. Doch noch ist sie verhalten.

Die breiten Gehwege sind schon fertig. Sich den Rest des neuen glanzvollen Boulevards vorstellen, fällt indes noch ein bisschen schwer. Denn an der Untertrave wird bös geackert. Das Areal von der Fischergrube bis hinter den Schuppen 6 ist eine einzige große Baustelle. Kaum vorstellbar, dass hier bis Ende November alles schick sein soll. Denn dann ist das Gröbste wohl erledigt: Die Fahrbahnen verengt, der Drehbrückevorplatz einladend gestaltet. Nur die Fertigstellung der spektakulären Wassertreppe verschiebt sich noch um mindestens ein Jahr. Denn die Stadt hat sich verkalkuliert, muss die Kosten noch einmal berechnen und die Bauarbeiten neu ausschreiben.

Gemütliche Café-Bar an der Untertrave

Patrick Zychlinski aber glaubt schon jetzt fest daran, dass die Untertrave zum Publikumsmagneten wird. Der 23-Jährige und sein älterer Bruder Martin haben An der Untertrave 65 die Espresso-Bar „Baretto“ eröffnet. „Das wird hier eine echte Flaniermeile“, ist sich Zychlinski sicher. Die Brüder kredenzen ihre Gästen Kaffeespezialitäten, Pizza und Flammkuchen. Der kleine Laden ist liebevoll mit Antiquitäten eingerichtet, ein gemütliches Fleckchen, vor dem Geschäft und im Garten gibt es Außenplätze. „Eine Investition fürs Leben“, nennt der junge Gastronom seine Bar. Derzeit sei aber noch Durchhalten angesagt: „Es ist nicht immer voll, aber das wird sich entwickeln.“ Optimismus im Schatten der Monsterbaustelle.

Monsterbaustelle schweißt Anwohner der Untertrave zusammen

Unter diesen Baumaßnahmen leiden auch Autofahrer – und vor allem die Anwohner des Viertels. Denn seit gut einem Jahr müssen sie in Kauf nehmen, dass die Zufahrt in ihr Quartier schwierig ist, dass Einbahnstraßenregelungen geändert werden und Parkraum wegfällt. „Im Moment bin ich gar nicht glücklich mit der Situation“, sagt Doris Seitz, die mit ihrem Mann Wolfgang und dem Hund „Sam“ in einer Parallelstraße zur Obertrave wohnt. Die Anwohner müssten ziemlich viel in Kauf nehmen für die Umgestaltung der Untertrave, findet die Journalistin. Wolfgang Seitz, der den BootShop Lübeck gegenüber des Schuppen 6 betreibt, klagt sogar über Kundenrückgang. „Weil die Straße nur noch einspurig ist, kann uns kaum noch etwas geliefert werden. Denn die LKW können nirgendwo halten.“ Dennoch: „Es ist schon toll, dass sich hier etwas entwickelt“, findet Wolfgang Seitz. Außerdem schweiße der Ausnahmezustand die Anwohner zusammen.

Gastronomen erhoffen sich großen Besucheransturm

Die positive Grundstimmung im Viertel ist auch Constantin Teichert aufgefallen. „Die Leute freuen sich auf die neue Untertrave“, sagt Teichert, der zusammen mit seinem Kompagnon Tristan Wilcken das Restaurant „Fangfrisch“ direkt an der Drehbrücke eröffnet hat. Frisch, regional und nachhaltig wollen die Inhaber ihr Angebot halten – und machen sich schon einmal Gedanken über den Ansturm der Gäste nach Fertigstellung der Untertrave. „Dann müssen wir noch einmal komplett neu planen“, sagt Teichert, der sich für sein Geschäft keinen besseren Platz vorstellen kann: „Das ist hier Lübecks alter Hafen – das passt! Und wir hoffen natürlich, dass es sich so gut entwickelt wie einst an der Obertrave.“ Und die Zeichen stünden gut: „Man merkt, dass hier tatsächlich etwas passiert“, sagt Constantin Teichert. Oliver Pries

1. Foto: Am Drehbrückenplatz wird noch eifrig gewerkelt, Ende November soll das meiste fertig sein.

2. Foto: Patrick Zychlinski hat die Cafè-Bar „Baretto“ eröffnet.

3. Foto: Doris und Wolfgang Seitz leben im Viertel, betreiben an der Untertrave den BootShop Lübeck.

4. Foto: Leckeren Fisch kredenzen Constantin Teichert, Lukas Kirschberger und Kevin Adjei (v.li.) ihren Kunden im Restaurant „Fangfrisch“. © OP

 

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