Krähenteich: Stadt entfernt die Drogen-Toilette

Die Situation am Krähenteich ist eskaliert: Die Polizei verzeichnet an Lübecks bekanntestem Drogentreffpunkt eine deutliche Zunahme der Dealer und Drogengebraucher, Anwohner des Areals klagen über Ruhestörungen und fühlen sich massiv bedroht.

Als Maßnahme hat die Hansestadt Lübeck am Donnerstagmorgen die erst im vergangenen Jahr installierte Toilette in der Straße An der Mauer abbauen lassen. Das Häuschen sei zum „Kiosk für Drogen“ verkommen, sagt Innensenator Ludger Hinsen.

Toilette am Krähenteich sollte wildes Urinieren verhindern

„Das Konzept der Toilette hat einige Monate lang funktioniert“, stellt der Innensenator fest. Die Hansestadt hatte das Häuschen installieren lassen, um wildes Urinieren zu verhindern und die Gefahr herumliegender Spritzen zu minimieren. Direkt am Gelände, auf dem sich Junkies und Dealer treffen, befindet sich ein Kinderspielplatz.

Dealer mit frischem Migrationshintergrund

Doch mittlerweile habe sich die Situation am Krähenteich geändert, sagen der Innensenator, Bürgermeister Jan Lindenau und die Polizei. Denn die Drogenszene habe sich deutlich gewandelt, fast doppelt so viele Dealer wie zuvor gingen dort jetzt ihren Geschäften nach. Waren es zuvor nach Angaben der Polizei in erster Linie Deutsche und Deutsch-Russen, die dort Drogen verkauften, seien nun „Personen mit frischem Migrationshintergrund“ dazu gestoßen. „Personen also, die noch nicht lange in Deutschland sind“, erklärt Lübecks Polizeidirektor Norbert Trabs. Nationalitäten will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht nennen.

Polizei zeigt deutliche Präsenz am Krähenteich

Dennoch sei die Situation weitestgehend unter Kontrolle, sagt Trabs. Die Polizei zeige „deutliche Präsenz“ am Krähenteich, es liefen bereits eine Menge Strafverfahren. Und: „Eine unkontrollierte Verfolgung wäre schlecht“, findet Polizeidirektor Trabs. Das Konzept der Behörden sei, die Situation im Blick zu haben und gezielte Maßnahmen zu fahren. Die Angst der Polizei ist, dass sich die dortige Szene in alle Himmelsrichtungen zerstreut und damit unkontrollierbar wird.

Anwohner klagen über Randale und Ruhestörungen

Durch die Zunahme der Personen sei die Szene auch näher an die Anwohner des Gebietes heran gerückt. Eine Anwohnerin berichtet von Randale und Ruhestörungen und „kaum noch einer ruhigen Nacht“. „Man mag da gar nicht mehr vorbei gehen“, sagt Luisa, die ihren richtigen Namen nicht nennen will. Sie selbst sei auch schon bepöbelt und bedroht worden. Von der Deinstallation der Toilette verspricht sich Bürgermeister Jan Lindenau nun eine „leichte Beruhigung“ der Situation. Die Hansestadt Lübeck hat die Anwohner am Mittwochabend über die Maßnahme in einem Bürgerbrief informiert. Stadt, Polizei und die Awo-Drogenhilfe wollen nun abwarten, wie sich die Maßnahmen dauerhaft auf die Situation am Krähenteich auswirken.

© Holger Kröger

 

Teile diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.