Stark beschädigt: Rettung für den Sandsteinengel am Hauptbahnhof

Restauratorin Malaika Krohn kämpft für den Erhalt des Sandstein-Portals am Lübecker Hauptbahnhof.

Schon von Weitem kann man es sehen: das Gerüst, welches vor dem Sandsteinportal an der Südseite des Lübecker Hauptbahnhofs steht. Darauf, in etwa drei Metern Höhe, ist eine Frau ohne jegliche Anzeichen von Höhenangst. Das ist die Restauratorin Malaika Krohn, die im Auftrag der Deutschen Bahn das Portal restauriert.

Risse und Flechtenbewuchs am Sandstein-Portal des Lübecker Hauptbahnhofes

Bei näherem Hinsehen kann man dann auch den Grund erkennen, denn das Sandsteintor ist größtenteils beschädigt. Risse und Flechtenbewuchs sind nur der Anfang: Das linke Gebilde, was einst mal einen Engel darstellte, ist aufgrund der abgetragenen Oberfläche kaum noch zu erkennen. „Hier müsste eigentlich ein Steinaustausch stattfinden“, sagt Malaika Krohn. Dies sei jedoch erst mal nicht geplant, da es den Etat von etwa 12000 Euro sprengen würde.

Silikonfugen gegen Kalkmörtel austauschen

Den Auftrag zur Restaurierung hat die Restauratorin schon im Frühjahr 2018 von der Bahn bekommen, jedoch geht es erst jetzt so richtig los. Bis Anfang August hat sie Zeit, um den Stein so gut es geht wieder herzustellen. Sie ist sehr enttäuscht über den „traurigen“ Zustand des Portals, an dem seit Jahren nichts mehr verändert wurde, und der sich, besonders in letzter Zeit, durch Eindringen von Wasser drastisch verschlechtert hat. Das Sandsteinportal am Bahnhof wurde in den Jahren 1904 bis 1908 erbaut und seitdem nicht mehr restauriert. Jedoch wurden im Laufe der Zeit Silikonfugen eingebaut, die „tödlich“ für das Gestein seien, meint Malaika Krohn. Diese Fugen wird sie mithilfe eines Steinmetzes in den kommenden zwei Wochen austauschen und mit Kalkmörtel verschließen.

Flechten werden mit einem Skalpell entfernt

Zu Beginn reinigt die Restauratorin den Stein mit Wasser und entfernt den biogenen Bewuchs, wie zum Beispiel Flechten, mit einem Skalpell. „Sandstein entsteht, wenn sich mehrere Sandschichten durch großen Druck verfestigen. Trotzdem ist das Gestein immer noch sehr weich und kann leicht zerfallen, wenn Wasser zwischen die Schichten kommt“, erklärt Krohn. Da dies bei dem Sandsteinportal am Bahnhof geschehen ist, ist es wichtig, den vorhandenen Stein zunächst mit einem Festigungsmittel zu konservieren. Der nächste Schritt, das so genannte Anböschen oder auch Glattziehen der schon reduzierten Oberfläche, dient dem optischen Verschluss.

So wird der Stein haltbarer gemacht

Abschließend wird das Gestein noch mit einer „konservierenden Schlämme“ angestrichen und die Simse verblecht, sodass wirklich alles wasserdicht ist. Wichtig ist der Restauratorin, den Stein trotz der Belastung durch ihre Arbeit so gut es geht zu erhalten. Eins steht fest: Malaika Krohn versucht, so viel wie möglich von dem heruntergekommenen Sandsteinbogen zu retten. „An meiner Arbeit schätze ich besonders das Zusammenarbeiten mit Menschen, die die gleichen Interessen haben wie ich. Außerdem bleibt es immer abwechslungsreich, weil kein Auftrag wie ein anderer ist“, sagt sie. JM

 

Foto: Malaika Krohn (re.) und der Steinmetz (li.) beurteilen den Schaden am Sandsteinportal. © Holger Kröger

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