Eine Stele an der ehemaligen Grenze

Strandspaziergänger auf dem Priwall werden mit Hilfe von großen Info-Tafeln über den Grenzverlauf zu DDR-Zeiten informiert.

„Bei uns war der Anlass, dass sich ein Herr an die Stadt gewandt hatte, der wegen seiner politischen Haltung in der SED-Diktatur inhaftiert gewesen ist “, erzählt Nina Jakubcyk, Leiterin des Lübecker Kulturbüros. Der Bürger gab den Hinweis, dass Strandspaziergänger auf dem Priwall doch gar nicht wüssten, dass dort einmal die Grenze verlaufen sei.

Informationen zur ehemaligen Grenze

Das Kulturbüro informierte sich daraufhin und stieß auf Angela Radtke, die schon zwölf Stelen mit Informationen zur ehemaligen Grenze erarbeitet hat. Zum Beispiel beim ehemaligen Grenzturm auf Mecklenburger Seite. Im Auftrag des Kulturamtes erarbeitete Radtke nun ihre 13. Stele, die erste auf Lübecker Grund.

Infotafeln in englischer Sprache

Zu finden ist die Infotafel am Strandabschnitt, der am Ende des Seewegs an die Landesgrenze stößt. Auf der Tafel ist nachzulesen, dass an dieser Stelle einst die Grenze den Priwallstrand teilte. „Am FKK-Strand der freien Priwall-Seite herrschte im Sommer reger Badebetrieb, beobachtet von den Turmposten. Die Ostseite blieb gespenstisch leer“, schrieb Autorin Christine Vogt-Müller in ihrem Text, der von Jennifer Pieper für die internationalen Strandbesucher noch ins Englische übersetzt wurde.

Stele hält auch bei Hochwasser stand

Der Bau hat mehr Zeit in Anspruch genommen als bei anderen Stelen: Ganz in der Nähe verläuft schließlich das Ostseekabel nach Schweden. Außerdem gehört eine Munitionsrückstandsprüfung am Strand zum vorgeschriebenen Prozedere. Und nicht zuletzt wurde auf Sand gebaut: „Das Fundament ist richtig berechnet worden, auch wegen des Untergrundes hier“, erklärt Architektin Vera Detlefsen. Einen Meter tief reicht der Beton. Da bleibt die Stele auch bei Hochwasser an ihrem Platz.

Weitere Stelen in Boltenhagen und in Selmsdorf geplant

Für Angela Radtke war es nun die 13. Stele, die sie seit 2015 im Auftrag von Gemeinden und Kirchen entwickelt hat. Ein bisschen Arbeit hat sie noch vor sich: Drei weitere sollen in Boltenhagen und sechs in Selmsdorf aufgestellt werden. „Dann ist eigentlich auch alles was ich mir mal vorgestellt hatte erledigt“, sagt sie. HN

 

Foto: Die Leiterin des Lübecker Kulturbüros, Nina Jakubcyk (v.l.), Architektin Vera Detlefsen, der Vorsitzende der Gemeinschaft der Priwallbewohner Eckhard Erdmann, Autorin Christine Vogt-Müller, Angela Radtke und Übersetzerin Jennifer Pieper präsentierten die Stele am Priwallstrand. © HN

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