350-jähriges Bestehen der Eutiner Schützengilde

350 Jahre sind ein guter Grund, sich selbst zu feiern: Am vergangenen Sonnabend hatte die Eutiner Schützengilde von 1668 zum Festkommers in die Schlossterrassen eingeladen.

Über 150 Gäste waren dabei, und der Wortführende Gildevorsteher Heiko Godow zeigte sich überwältigt, welch schönes Bild die Festgesellschaft bot. Denn die befreundeten Gilden und Schützenvereine aus der Region sowie die Ortsfeuerwehren zogen mit Fahnenabordnungen in den Saal ein.

Gründung und Mitgliedszahlen der Eutiner Schützengilde

Eigentlich dürfte die Gilde weitaus älter sein. Doch Gründungsdaten sind nicht überliefert, und die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in einen Dokument vom 1668. „Es wird Zeiten davor gegeben haben“, ist sich Godow sicher. Schließlich sei die erste Gilde in Deutschland bereits 529 Jahre zuvor gegründet worden. „Wir halten an unserer Zeitrechnung fest, bis andere Belege in den Archiven entdeckt werden.“ Gut dokumentiert sind dagegen die Mitgliedszahlen. „Die Gilde zählte nie mehr als 100 Köpfe, heute sind es 82“, stellte Godow fest. Besonders während der Kriege habe es die Gilde schwer gehabt, dann seien die jährlichen Schützenfeste auch einige Male ausgefallen. Nach den Zweiten Weltkrieg fand am 30. Juli 1949 die Neuaufrichtung der Schützengilde statt, ein Jahr später wurde das erste Nachkriegs-Schützenfest gefeiert.

Was ist eigentlich eine Gilde und welche Aufgaben erfüllt sie?

„Gilden waren in früherer Zeit nichts anderes als Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Der Begriff Schütze kommt nicht von Schießen, sondern von Schützen. Als Schutzgemeinschaften sind sie schon vor den Zünften entstanden“, erläuterte Godow. Er bezeichnete die Gilde als Sozialgemeinschaft, als Bruderschaft, in der man sich hilft, zusammensteht und einander achtet. Heute kommen Brauchtums- und Traditionspflege hinzu. „Außerdem pflege und hegen wir unseren Vogelberg. Mit der Verpachtung von Flächen an die Eutiner Sportschützen haben wir dem sportlichen Schießen eine Heimat geboten. Und mit dem Erwerb des Elfenmoores und der Verpachtung des Areals an den Verein ,Erlebnis Natur‘ und die Kreisjägerschaft ist es uns gelungen, einen großen Beitrag zum Naturschutz und zur Umwelterziehung zu gewährleisten“, fügte Godow hin. Sein Fazit: „Was nun seit 350 Jahren gehalten und funktioniert hat, kann ja so verkehrt nicht sein.“

Festumzug der Eutiner Schützengilde

Darüber waren sich auch die Ehrengäste einig. Bürgervorsteher Dieter Holst betonte: „Die Schützengilde ist ein wichtiger, bedeutender gesellschaftlicher Faktor in Eutin.“ Landrat Reinhard Sager nannte die Gilde einen lebendigen Verein, in dem Werte vermittelt, respektvoller Umgang und soziales Engagement praktiziert würden. „Hier wird Gemeinschaft und Geselligkeit gepflegt. Anonymität ist hier ein Fremdwort – im Zeitalter des Internets ist das immens wichtig. Und auch wenn es um die Pflege der plattdeutschen Sprache geht, wird bei Ihnen nicht nur geschnackt, sondern gehandelt“, so Sager. Ein Hinweis auf die Plattdeutsch-Gruppe der Gilde, die sich regelmäßig im Uklei-Fährhaus trifft und stetig wächst. Das Schützenfest im Jubiläumsjahr findet am 8. und 9. Juli statt – inklusive Festumzug mit Sternmarsch. Nähere Informationen gibt es unter www.schuetzengilde-eutin.de. vg

 

Foto: Über zehn Fahnenabordnungen traten vor den Schlossterrassen zum Einmarsch in den Saal an. © Graap

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