Wildtiere in der Stadt

Ob Wildschweine, Rehe oder Marder – immer mehr Wildtiere suchen Nahrung und Unterschlupf in der Stadt. Jäger warnen – Naturschützer fordern Umdenken.

„Wir bekommen zunehmend Beschwerden von Bewohnern über Wildschweine, die den Rasen durchwühlen, oder Rehe, die im Garten Knospen abfressen. Deshalb sollen wir die Wildtiere aktiv bejagen“, weiß Frank Hentschel von der Jagdbehörde Lübeck.

Bestand der Wildschweine enorm angestiegen

Das Problem: Vor allem der Bestand der Wildschweine hat enorm zugenommen. So wurden 21017 in Schleswig-Holstein fast 15700 Wildschweine zur Strecke gebracht. Das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr ist die Jagd sogar ganzjährig erlaubt, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest, die in Osteuropa grassiert, zu verhindern. Stadtjäger Christoph Benett aus Israelsdorf ist für Lübeck ehrenamtlich im Einsatz im Schellbruch, einem Naturschutzgebiet. „Um die Population in den Griff zu bekommen, muss ich den Bestand gut kennen. Deshalb suche ich fast täglich nach Schäden im Revier, damit ich weiß, wo die Tiere sich aufhalten.“ Vor allem nachts geht er auf Jagd und erlegt etwa 50 Sauen im Jahr. Früher waren es im Schnitt nur drei Tiere jährlich.

Schwarzwild hat keine natürlichen Feinde

Der Grund: Das Schwarzwild ist besonders fruchtbar, sehr anpassungsfähig und hat keine natürlichen Feinde. Hinzu kommt: Die Nähe zur Siedlung ist nicht nur für die Wildtiere verlockend, sondern auch für manche Bewohner, die sie füttern. „Die meinen, sie tun damit etwas Gutes. Doch Wildschweine haben in der Stadt nichts zu suchen. Deshalb ist das Füttern verboten. Auch Speisereste sollten nicht im Garten entsorgt und das Grundstück eingezäunt werden“, rät der Stadtjäger.

Konflikte zwischen Mensch und Tier

Dabei sei vor allem der Mensch der Verursacher der Probleme, meint Reinhard Degener vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Lübeck. „Die Stadt hat sich immer mehr in umliegende Waldgebiete ausgedehnt oder grenzt an Naturschutzgebiete. Damit sind Konflikte zwischen Mensch und Tier vor allem in Randgebieten wie zum Beispiel den Stadtteilen Moisling oder Schlutup vorprogrammiert“, erklärt der Naturschützer. Viele Rehe nutzen weiterhin die alten Wildwechsel und suchen dann im Garten nach Futter.

Das Abschießen von Wildschweinen ist keine Lösung

Weitere Ursachen sind die milden Winter und der zunehmende Anbau von Monokulturen wie Mais für Biogasanlagen. „Hier leben die Wildschweine wie im Schlaraffenland, sie sind geschützt vor Jägern und haben ein hervorragendes Nahrungsangebot“, sagt Degener. Doch das Abschießen sei nicht die Lösung. „Wenn die natürliche Rangordnung der Rotte gestört wird, bringen die Bachen mehr Junge zur Welt.“ Nur wenn das Nahrungsangebot reduziert wird, kann die Population dezimiert werden“, ist sich Degener sicher. Außerdem sollten Beutegreifer wie der Wolf zugelassen werden, damit der Bestand von Schwarzkittel, Ricke und Co auf natürliche Weise reduziert wird und so das Gleichgewicht erhalten bleibt. Saskia Langhans

Tipps vom Stadtjäger

  • Fütterungsverbot: Keine Speisereste im Garten oder auf Parkplatz entsorgen.
  • Wer naturnah wohnt: Den Garten einzäunen, um keine Wildtiere anzulocken.
  • Bei Wildunfall: Im Fahrzeug sitzen bleiben, bis die Polizei und der Jäger kommen.
  • Die Natur respektieren: Nur auf Wanderwegen gehen und Hunde selbstverständlich anleinen.
  • Ruhig verhalten: Stehen bleiben, zurückziehen oder den Anblick genießen.

 

Foto: Stadtjäger Christoph Benett ist überzeugt: Nur mit der Jagd lässt sich der Wildtierbestand im Naturschutzgebiet Schellbruch reduzieren. © Saskia Langhans

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