Der Mieterverein Lübeck fordert Mieterhöhungswelle in Lübeck einzudämmen

Was tun, wenn Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen vom Vermieter angekündigt werden und eine saftige Mieterhöhung ins Haus steht? Verunsicherten Mietern rät Thomas Klempau vom Mieterverein Lübeck, eine Mietervereinigung zu gründen und sich fachlich gut beraten zu lassen.

Bei einer Infoveranstaltung der SPD Lübeck stand er den Mietern im Quartier Pommersche, Wismarer und Märkische Straße wie in dem benachbarten Abschnitt im Hansering in St. Lorenz Süd Rede und Antwort auf viele Fragen. Um bis zu 140 Euro soll die Miete dort erhöht werden, wo gewachsene Nachbarschaften in zum Teil bereits in den zwanziger Jahren erbauten Miethäusern, von denen einige unter Denkmalschutz gestellt wurden, gegeben sind.

Modernisierungsmaßnahmen rechtfertigen Erhöhung der Bruttokaltmiete bis elf Prozent

„In Lübeck gibt es viele Objekte, die über die Jahre erhebliche Defizite aufweisen“, weiß Kempau vom Mieterverein Lübeck. Da werde im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen eine Instandsetzung oft gleich mit erledigt. „Doch diese Kosten sind nicht auf den Mieter abzuwälzen, sondern vom Gesamtaufwand abzuziehen.“ Danach können Vermieter die Miete nach Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten nicht erhöhen. Nur Modernisierungsmaßnahmen, die der Energieeinsparung oder Klimaschutz dienen, rechtfertigen eine Erhöhung der Bruttokaltmiete bis elf Prozent. „Dazu zählt eine bessere Dämmung, Wasserersparnis durch neue Wasserzähler und Wohnwerterhöhungen wie durch neue Balkone“, so der Geschäftsführer des Mietervereins.

Drastische Mieterhöhungen in Moisling, Marli und St. Lorenz Süd

Drastische Mieterhöhungen nach Modernisierungen in Moisling, Marli und nun in St. Lorenz Süd durch die Vonovia-Gesellschaft sind ein Beispiel dafür, womit in naher Zukunft verstärkt auch in Lübeck zu rechnen ist: „Erst im März 2018 hat Vonovia (400000 Mietwohnungen in Deutschland) 6200 Wohnungen der Buwog-Gesellschaft übernommen und verfügt nun über einen Bestand von 7700 Mietwohnungen in der Hansestadt, die zum Teil erheblich sanierungsbedürftig sind. Das bietet dem Unternehmen eine willkommene Gelegenheit, mit eigenen Firmen massenhaft Standardmaßnahmen umzusetzen und mit Modernisierungsmieterhöhungen hohe Renditen zu erwirtschaften“, unterstreicht Rechtsanwalt Ulrich Glock vom Mieterverein.

Bezahlbarer Wohnraum in Lübeck

Nicht nur Lärm und Schmutz komme auf betroffene Mieter zu, sondern auch untragbare Wohnkosten, die die Zerschlagung von Wohnquartieren zur Folge haben. „In Lübeck ist die Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum inzwischen besonders gefährdet“, sagt Klempau. Es fehlten circa 4000 Sozialwohnungen. Obendrein nehme die Geschwindigkeit ansteigender Mieten zu. Bei zehn Beratungen ginge es in vier bis fünf Fällen um Mieterhöhungen. „Der Mieterverein fordert die Politik der Stadt auf, sich dringend für die Aufnahme Lübecks in die Kappungsgrenzenverordnung einzusetzen“, so Klempau. „Wir brauchen eine Absenkung der Mieterhöhungsmöglichkeiten, so wie es seit Ende März vergleichbar bereits in Kiel möglich ist.“ mpa

 

Foto: Hohe Mieterhöhungen kommen auf die Mieter im Quartier zu. © mpa

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