Frauenhäuser haben zu wenig Plätze

Die Lübecker Einrichtungen nutzen Sanierungsprogramm des Landes, benötigen aber dringend mehr Wohnraum.

„Gewalt gegen Frauen ist immer noch ein großes Problem in unserer Gesellschaft“, sagt die Landtagsabgeordnete der Grünen, Aminata Touré. Die Sprecherin für Frauen und Gleichstellung, Flucht und Migration, Verbraucherschutz und Jugendpolitik bestätigt, dass circa 40 Prozent der Frauen in Deutschland mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erleben.

Frauen, die Opfer von Gewalt werden, kommen aus allen Bevölkerungsschichten

„Unsere Arbeit spiegelt auch nach über 40 Jahren das gesamtgesellschaftliche Problem wider“, unterstreicht Anke Kock vom Verein Frauen helfen Frauen mit dem Autonomen Frauenhaus in Lübeck. Würden die Täter mehr in die Pflicht genommen, müsste es Orte wie Frauenhäuser nicht mehr brauchen. Dabei kommen Frauen, die Opfer von Gewalt werden, aus allen Bevölkerungsschichten.

Viele Hilfe suchenden Frauenfinden keinen Platz

Gut in der Hansestadt vernetzt leistet der Lübecker Verein Hilfe und Begleitung für Frauen und deren Kinder, die von körperlicher und psychischer Gewalt betroffen sind. Im vergangenen Jahr haben 117 Frauen mit ihren Kindern Schutz im Autonomen Frauenhaus gefunden. „228 Hilfe suchenden Frauen konnten wir keinen Platz anbieten“, bedauert Anke Kock. Für diese Frauen wird dann in Frauenhäusern im ganzen Land nach Plätzen gesucht. Im Lübecker Frauenhaus der Awo herrscht die gleiche Situation. „Findet sich kein Platz, gehen die Frauen oft zurück in die unsichere häusliche Gemeinschaft“, so Chris Mull vom Awo-Frauenhaus. Es verfügt über 15 Wohnplätze, das Autonome Frauenhaus über 40 Plätze.

Klärung von Sorgerecht, die Begleitung zu Ärzten und Gerichten

„Der Weg ins Frauenhaus ist kein Wochenprogramm. Es ist ein Monatsprogramm“, sagt Anke Kock. Oft geht es in der Begleitung der Frauen um die Klärung von Sorgerecht, die Begleitung zu Ärzten und Gerichten oder die Schul- und Kitabesuche der Kinder. Sind alle Wohnplätze belegt, gibt es ein Notsofa oder Klappbetten. Doch das macht die Situation für die Betroffenen in den Frauenhäusern nicht besser.

Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum

„Wir benötigen weitere zehn finanzierte Plätze, um Frauen in Not nicht durchs ganze Land zu schicken“, so Anke Kock. Auch im Awo-Frauenhaus müssen die Wohnplätze aufgestockt werden. Zusätzlich fehle es dann auch an Personal. „Bedrohte Frauen auf Wohnungssuche sollten als besondere Schutzgruppe bei Wohnungsgesellschaften im Blick stehen“, fordert Chris Mull. Es gäbe einfach kaum bezahlbaren Wohnraum für die Suchenden, die so immer länger in Frauenhäusern bleiben.

Das Autonome Frauenhaus benötigt bis zu 20000 Euro

Auch wenn vorrangig Wohnplätze in beiden Frauenhäusern fehlen, kommt die Finanzspritze des Landes gerade recht: Durch ein Sofortprogramm in Höhe von drei Millionen Euro sollen die landesweit bestehenden 16 Frauenhäuser, die teilweise in marodem Zustand sind, saniert werden. Das Autonome Frauenhaus benötigt bis zu 20000 Euro für anstehende Sanierungen. Die Awo veranschlagt für sanierungsbedürftige Räume und Treppenhäuser 30000 Euro. Die Grünen-Abgeordnete Amanita Touré hofft, dass die Jamaika-Regierung für fehlende Plätze in den 16 Häusern im Land noch einmal drei Millionen Euro zur Verfügung stellen wird. mpa

 

Foto: Anke Kock (l.) und Chris Mull unterstreichen trotzdem den Bedarf an fehlenden Wohnplätzen für von Gewalt bedrohte Frauen in Lübeck. © mpa

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