Lübecker Stadtmütter zeigen Gesicht

Seit sechs Jahren stehen die Lübecker Stadtmütter Frauen, Familien, Kindern und Jugendlichen als Wegweiser in der Hansestadt unterstützend zur Seite.  Anlässlich des Internationalen Frauentags haben sie nun die Plakat-Aktion „Frauenrechte verleihen Flügel“ initiiert.

„In dieser Zeit haben wir 144 Frauen zu Stadtmüttern fortgebildet, die heute an mehr als 70 Einsatzorten tätig sind. Zudem haben wir 33 Praktikumsplätze geschaffen“, zieht Projekt-Koordinatorin Susan Al-Salihi Bilanz einer sozialen Arbeit, die 2018 für den Bundespreis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt nominiert ist. „Wir haben in Lübeck viel unsichtbare Hilfe geleistet. Nun ist es Zeit, mehr Gesichter von uns zu zeigen. Denn wir stehen für die Frauen, für die wir da sind und denen wir helfen.“

Plakate auch als Postkarten erhältlich

Aktuell sind mehr als 42 in den Räumen an der Marlesgrube 49-51 aktiv. Sie sprechen 24 Sprachen und kommen aus 16 Ländern. 14 davon zeigen bei der Plakatsammlung „Frauenrechte verleihen Flügel“, die in Kooperation mit der Fotografin Anja Döhring anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März entstanden ist, nun Gesicht. Zu sehen sein werden die Plakate, die es auch als Postkarten gibt, bei Ämtern, bei der Polizei, bei den Stadtmüttern und an anderen Orten.

Frauen helfen Frauen

„Mein Wunsch wäre es, dass jede zweite oder dritte Frau die Gelegenheit nutzt und unsere sechsmonatige Fortbildung macht, zu der auch ein dreiwöchiges Praktikum gehört“, sagt Susan Al-Salihi. Die gelernte Dolmetscherin aus dem Irak treibt in ihrem Team das Projekt Lübecker Stadtmütter voran, das 2013 von zwei Frauen der Vorwerker Diakonie und des evangelischen Frauenwerkes ins Leben gerufen wurde und vor allem von der Possehl-, Friedrich Bluhme- und Else Jebsen-Stiftung finanziell unterstützt wird. Es ist Teil des Vereins Frauen helfen Frauen, der 1977 gegründet wurde und seit 1978 vom Autonomen Frauenhaus betrieben wird.

Lübecker Stadtmütter leisten Hilfe zur Selbsthilfe

Während der Fortbildung lernen die Frauen das deutsche Bildungssystem kennen. Sie erhalten Informationen über das deutsche Familienrecht, die Gesundheitsvorsorge und anderes mehr. Gut geschult machen sie dann als Lübecker Stadtmütter Hausbesuche bei Familien und leisten Hilfe zur Selbsthilfe.

Kulturelle und persönliche Bereicherung

„Ich habe so viel bei der Fortbildung gelernt. Ich bin unendlich dankbar dafür“, sagt die 37-jährige Shobha Grover aus Indien. „Es war eine kulturelle und persönliche Bereicherung.“ Ähnlich sieht es Tatev. „Ich konnte vorher kein Wort Deutsch“, berichtet die 25-jährige Klavierlehrerin aus Armenien. „Aber hier helfen alle allen – egal, welcher Nationalität. Und plötzlich kannst du etwas. Das macht dich stolz.“ Auch die 37-jährige Laila Amare aus Marokko ist glücklich, „hier mitgemacht zu haben. Ich kenne jetzt meine Rechte und bin viel mutiger geworden. Jetzt mache ich sogar den Papierkram für die ganze Familie.“

Frauen sollen in der Gesellschaft wahrgenommen werden

„Wir sind wirklich mehr als eine Fortbildung“, findet auch Petra Molt, die seit einem Jahr bei den Stadtmüttern für den pädagogischen Bereich zuständig ist. „Wir haben so viele gestandene Frauen, Architektinnen, Ärztinnen und Lehrerinnen, deren Abschlüsse nur zum Teil anerkannt sind und die zu uns kommen, weil sie Futter für den Kopf suchen und auf ihrem Weg zum deutschen Arbeitsmarkt noch anderen Frauen helfen. Mein größter Wunsch ist es, dass diese Frauen in der Gesellschaft wahrgenommen werden und ihnen ein Quereinstieg ermöglicht wird.“ DO

 

Foto: Das Projekt Lübecker Stadtmütter zeigt ab sofort dank einer Plakatsammlung Gesichter. Darüber freuen sich Tatev (v. li.), Petra Molt, Shobha Grover und Susan Al-Salihi. (DO)

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