Ungleiche Entlohnung für die gleiche Arbeit von Männern und Frauen

Zum Equal Pay Day werden in Lübeck Speed Coaching und Kurz-Workshops für Frauen angeboten.

Auch wenn der mittlerweile weltweit bekannte Equal Pay Day in diesem Jahr zum elften Mal auf die ungleiche Entlohnung für die gleiche Arbeit von Männern und Frauen aufmerksam macht, „ist es leider bisher nicht gelungen, die deutliche Lohnlücke in Deutschland zu schließen“, sagt Ilka Lambke-Muszelewski, vom Business and Professional Women (BPW)-Club Lübeck. Deutschland liegt im Ranking mit anderen Ländern weit hinten: Immer noch sind es bis zu 21 Prozent weniger Gehalt im Durchschnitt, das Frauen weniger verdienen.

Arbeit muss neu bewertet werden

„Das entspricht 77 Tage, die Frauen für die gleiche Tätigkeit im Jahr mehr arbeiten“, so die Lübeckerin. Daran habe auch das Entgelttransparenzgesetz, das seit Juli 2017 in Kraft ist, noch nichts ändern können. Es soll mehr Transparenz in die betrieblichen Gehaltsstrukturen und die angelegte Bewertung von Arbeit schaffen. „Jetzt müssen Fehlanreize wie das Ehegattensplitting, eine Neuregelung der Steuerklassen und auch historische Altlasten angepackt werden“, so Lambke-Muszelewski weiter. Dass jegliche Arbeit mit Maschinen bis heute noch besser entlohnt werde als die Arbeit mit Menschen, sei traditionell gewachsen. Im Hinblick auf die meistens von Frauen ausgeübten Tätigkeiten im Bereich Pflege, Grundschule, Kita und Jugendarbeit müsse Arbeit für Frauen und Männer endlich neu bewertet werden.

Ungleiche Bezahlung trotz gleicher Qualifikation

Mit Kindererziehungszeiten, dem Start in den beruflichen Wiedereinstieg, geringere Karrierestufen sowie eine kleinere Rente gibt es viele Faktoren, die für eine ungleiche Bezahlung trotz gleicher Qualifikation herhalten. „Wir sind noch lange nicht am Ziel“, unterstreicht Sarah Tunkel vom Frauennetzwerk zur Arbeitssituation. In ihren Beratungen erlebt sie selbst studierte Frauen, die ihre beruflichen Qualifikationen weniger positiv „und ganz anders als Männer“ bewerten. Schließlich sei selbst private Pflege- und Betreuungsarbeit eine zusätzliche Qualifikation, die als solche im Vorstellungsgespräch hervorgehoben werden müsse. Ein weiterer Fehlanreiz sei der für Frauen prekäre 450-Euro-Job, der schnell „dazu“ verdient sei, aber der späteren Rente einfach nicht zuträglich sei.

Gehaltsdefizite in der freien Wirtschaft

Auch Dr. Dagmar Täube, Leiterin des St. Annen- und des Holstentor-Museums sowie der Katharinenkirche und Schirmherrin der Veranstaltungen, die am Equal Pay Day, Sonnabend, 17. März, in Kooperation des Lübecker Vereins Frauennetzwerk zur Arbeitssituation und dem BPW-Club angeboten werden, bestätigt diese Problematik und wünscht sich endlich mehr Entgelttransparenz. Im öffentlichen Dienst sei diese mit Ausnahme von zusätzlichen Gehaltsabstufungen gegeben. „In der freien Wirtschaft muss sich in dem Bereich noch viel tun“, fordert sie.

Beratungen für Frauen zur beruflichen Weiterentwicklung

„Wir sprechen über alles, nur nicht über Geld“, stellt Ilka Lambke-Muszelewski fest. Mit einem Speed Coaching gibt es am Equal Pay Day für Frauen kurze Beratungen zur beruflichen Weiterentwicklung (ohne vorherige Anmeldung). Um neue Impulse und berufliche Perspektiven geht es in den Kurz-Workshops, für die eine Anmeldung erforderlich ist. Weitere Informationen und Anmeldung unter luebeck@frauennetzwerk-sh.de. mpa

 

Foto: Sarah Tunkel (v. li.), Dr. Dagmar Täube und Ilka Lembke-Muszelewski fordern eine Neubewertung von Arbeit von Frauen und Männern. © mpa

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