Neuer Eutin-Kalender 2019 beleuchtet Sozialeinrichtungen

Ab sofort ist in der Rosenstadt die 38. Auflage des Kalenders „Eutin in alten Ansichten“ erhältlich. Im Weber-Café stellte die Eutiner Bürgergemeinschaft ihr neuestes Druckwerk am Donnerstag vor.

„Der Kalender ist unser Aushängeschild. In diesem Jahr beschäftigen wir uns mit den historischen Sozialeinrichtungen Eutins“, erläutert Sprecherin Regine Jepp. 13 Fotografien zeigen nostalgische Altstadtbilder – vom Schloss bis zum ehemaligen Schloss-Hotel am Markt. Auf den Rückseiten befinden sich ergänzende Ansichten und ausführliche Texte, die die Geschichte der jeweiligen Abbildungen erläutern.

Darstellung der kommunalen Sozialfürsorge im 19. und 20. Jahrhundert

Im Grunde beinhaltet der neue Kalender eine Darstellung der kommunalen Sozialfürsorge im 19. und 20. Jahrhundert. Ab der Zeit, als diese Aufgabe noch in den Händen sogenannter Armenväter lag, die sich um minderbemittelte Kranke und Alte in ihrem Bezirk kümmerten. Auch versorgten größere Familien in der Regel eine bedürftige Person: den „Hausarmen“, der im Schuppen nächtigen musste und aus der Küche des Haushaltes mit beköstigt wurde. „Eine Geschichte mit Beigeschmack, denn manchmal wurden diese minderbemittelten Männer in Zeitungsannoncen als Arbeitskräfte angeboten“, weiß Regine Jepp.

Städtische und kirchliche Armenfürsorge

Um 1860 geben sich einige Damen der besseren Gesellschaft Statuten und ergänzen damit ganz offiziell die städtische und die kirchliche Armenfürsorge: Der „Vaterländische Frauenverein“ übernimmt die Sozialfürsorge auch zu Kriegszeiten. 1872 entwickelt sich aus dieser Vereinigung das „Rote Kreuz“. 1879 wurde unter großer Beteiligung der Eutiner Bevölkerung das Krankenhaus eingeweiht, 1882 folgte das Arbeits- Armenhaus der Stadt, das später als Landjahrheim und als Schule im Charlottenviertel genutzt wird.

Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung

Im Oktober 1910 kommen drei katholische Krankenschwestern – Graue Schwestern aus Breslau – nach Eutin. Durch die ambulante Krankenpflege erwerben sie sich schnell das Vertrauen in der Bevölkerung. Trotz baulicher und finanzieller Schwierigkeiten gelingt es, 1932 ein kleines katholisches Krankenhaus mit 14 Betten zu eröffnen. Während des Ersten Weltkriegs gab es auch in Eutin erhebliche Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung. Die örtliche Speiseanstalt, nun „Kriegsküche“ genannt, gibt in dieser Zeit monatlich etwa 10000 Essenportionen zum Selbstkostenpreis ab. „Zehn Prozent der Einwohner profitierten von dieser Massenspeisung“, berichtet Regine Jepp.

Hier gibt es den Eutin-Kalender 2019

Weitere Texte beschäftigen sich mit der 1925 gegründeten Arbeiterwohlfahrt sowie der propagandistischen Wohlfahrtspflege der NSDAP im Dritten Reich. „Letztere diente in erster Linie nicht der Fürsorge für den Einzelnen, sondern der Stärkung der rassisch definierten Volksgemeinschaft“, so Jepp. Der Kalender kostet zwölf Euro und ist in Eutin bei LMK und Buch Hoffmann erhältlich. vg

 

Foto: Das ehemalige Schloss-Hotel am Eutiner Marktplatz zu seiner Blütezeit. Es war auch Versammlungsort der Arbeiterwohlfahrt. © hfr

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