C.A. Fischer & Sohn gibt auf

Das Waffengeschäft an der Untertrave kann auf eine 240-jährige Firmengeschichte zurückblicken.

„Wenn das so weiter geht, gibt es in Lübeck nur noch Friseure, Nagelstudios sowie Essen und Trinken. Wenn die Stadt nichts tut, ziehen alle anderen Geschäfte raus aus Lübeck – in den Citti Park oder nach Dänischburg, wo man kostenlos parken kann – oder müssen schließen. So wie ich.“ Im Sommer 2017 hat Nicole Rühmann die Reißleine gezogen und den Entschluss gefasst, zum Jahresende den Familienbetrieb zu schließen, der dieses Jahr 240 Jahre existiert hätte: das Waffengeschäft C.A. Fischer & Sohn an der Untertrave.

Familienbetrieb in vierter Generation kapituliert

„Das Netz war mein Feind. Da hatte ich keine Chance“, sagt die Frau, die den Familienbetrieb die vergangenen zehn Jahre in vierter Generation führte. „Die Leute sind zu uns gekommen und haben sich ausführlich beraten lassen. Gekauft haben sie dann im Internet, nachdem sie oft auch versucht hatten, mich auf die Netzpreise zu drücken, die durch die riesigen Abnahmemengen großer Anbieter oft unter unseren Einkaufspreisen liegen.“ Eine Zeiterscheinung, die keine Seltenheit im lokalen Einzelhandel ist.

Sparmaßnahmen halfen nicht

„Zuerst war es schwer, etwas aufzugeben, was schon historisch ist. Wir hatten viele treue Stammkunden, die über diese Entwicklung sehr traurig sind. Aber sie konnten uns nicht retten.“ Und auch die Sparmaßnahmen nicht, die Nicole Rühmann nach und nach durchführte: montags den Laden geschlossen halten, das Personal von vier, fünf Personen auf eineinhalb Menschen reduzieren und die Öffnungszeiten verkürzen. „Es half alles nichts.“

Gründungsjahr von C.A. Fischer & Sohn

Bleibt nur der Blick zurück. 1778 gründeten ihre Urgroßeltern das Waffengeschäft in der Engelsgrube. Wann es umgezogen ist, weiß die Inhaberin nicht. „Meine Großeltern waren jedenfalls schon hier an der Untertrave. Sie hatten unten das Geschäft und wohnten oben im ersten Stock.“ Daran kann sich die heute 56-jährige Lübeckerin noch genau erinnern. Knapp zwei Drittel ihres Lebens hat die ehemalige Chefsekretärin in diesem Laden verbracht. Hat sich mit Bogensport-Zubehör, Dart-Bedarf, Sport- und Jagdwaffen, die dazugehörige Munition, diverse Taschen- und Gürtelmesser, Sicherheitsbedarf wie Pfefferspray und Gaswaffen, Ferngläser sowie Deko-Stahlwaren wie Samurai- und historische Schwerter sowie Dolche auseinandergesetzt und selbiges verkauft.

Onlinehandel zerstört Einzelhandel

Jetzt ist der Laden ausgeräumt. Das Haus ist ebenfalls verkauft. Was die neuen Eigentümer damit machen werden, „weiß ich nicht. Oben vielleicht Wohnraum und hier unten, wahrscheinlich Essen und Trinken“, sagt sie fatalistisch. Und was sind ihre Pläne? „Woanders mit demselben noch einmal anzufangen, macht keinen Sinn. Als kleiner Laden frisst dich das Internet wieder auf. Ich werde mir einen Job im Verkauf suchen.“ DO

 

Foto: Nicole Rühmann hat die restlichen Waren des Geschäftes verkauft. © Holger Kröger

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