Antikriegsroman von Remarque im Fokus

Die neue Sonderausstellung im Buddenbrookhaus widmet sich Erich Maria Remarque und seinem Werk „Im Westen nichts Neues“.

„Thomas Mann unterlag einem großen Irrtum, als er auf Einladung einer Armeezeitung im April 1916 über ,Glück und Sieg’ schrieb“, so Dr. Birte Lipinkski, Leiterin des Buddenbrookhauses. „Aus heutiger Sicht wäre er darauf nicht stolz.“ Doch viele Intellektuelle hätten sich damals geirrt und die Politik mit ihrer Position öffentlich unterstützt.

Plädoyer gegen den Krieg

Zeitgleich mit dem Säbelrasseln, das nach dem Ersten Weltkrieg schnell wieder zu vernehmen war, erschien 1929 ein großes Plädoyer gegen den Krieg, ein Antikriegsroman, der Generationen nicht nur in Deutschland ansprach: Der Roman „Im Westen nichts Neues“, das berühmteste Werk von Erich Maria Remarque, ist Gegenstand einer großen Sonderausstellung im Buddenbrookhaus. „Der Roman ist auch 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs aktueller denn je“, unterstreicht Lipinski. „Er wurde in über 60 Sprachen übersetzt und ist eines der meist verkauften Bücher weltweit.“ Daneben wurde er immer wieder verfilmt, als Bühnenfassung gezeigt, sogar als Comic liegt der damals heftig umstrittene Roman heute vor.

Entstehung und Rezeption von Remarques Roman

In Kooperation mit dem Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Osnabrück werden bis zum 15. April sowohl der Schriftsteller Remarque als auch die Entstehung und Rezeption seines Romans in Bild und Text vorgestellt. „Unter dem gleichen Titel beeindrucken großformatige Originalgraphiken aus dem Jahr 2014 in Verbindung einer Graphic Novel von Peter Eickmeyer und Gaby von Borstel und laden zur Auseinandersetzung ein“, erläutert Kuratorin Ira Klinkenbusch. Die Gewalt in den Bildern sowie deren Bildgewalt werden bedrückend deutlich. In seinen Arbeiten nimmt Eickmeyer Eindrücke von Picasso, Otto Dix und weitere historische Fotografien auf und veranschaulicht „die Notwendigkeit einer engagierten Friedenspolitik auch für heute“, so die Kuratorin.

Erfolg auf dem deutschen und internationalen Buchmarkt

Erschien der fertige Roman zuerst nicht zeitgemäß, so erschien er zunächst 1928 als Vorabdruck in Serie in der Vossischen Zeitung, 1929 schließlich in Buchform. Neben der Sensation mit einem beispiellosen Erfolg auf dem deutschen und internationalen Buchmarkt warf der Roman bei Kritikern große Fragen auf. Dabei ging um die Bewertung des Ersten Weltkriegs und um die Gegenwart und Zukunft der Weimarer Republik.

Buch gegen den Nationalsozialismus

Remarques Text wurde scharf attackiert, seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. „Den politischen Linken war der Roman nicht pazifistisch genug und den Nazis fehlte der heldenhafte deutsche Soldat“, so Ira Klinkenbusch. Bedroht von den Nationalsozialisten zog der Autor 1931 in die Schweiz. Seine Romane wurden 1933 öffentlich verbrannt. Remarque publizierte im Exil weitere Bücher, in denen er immer wieder vor den Auswirkungen des Krieges auf die Menschen warnt. „Wie Thomas Mann ist er nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt und 1970 gestorben“, so Lipinski. „Mit der Familie Mann teilte Remarque die frühe Positionierung gegen den Nationalsozialismus und das Exilschicksal.“ Mehr zur Ausstellung, einer Lesung und der Finissage unter www.die-luebecker-museen.de. mpa

Foto: Lektürebereich im Buddenbrookhaus: Dr. Birte Lipinski (rechts) und Ira Klinkenbusch laden zum Kennenlernen weiterer Graphic Novels zu zeitgenössischen Konflikten aufs Sofa ein. © mpa
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