Tradition mit Tabak und Tonpfeife

Der Verein Amt der Stecknitzfahrer lud 190 Honoratioren zur traditionellen „Kringelhöge“.

„Nie Zwietracht störe unsere Einigkeit.“ Ein altüberlieferter Spruch, mit dem Hartmut Haase, Ältermann des Vereins der Stecknitzfahrer, das traditionelle Fest der Kringelhöge einläutete. 190 geladene Gäste, ausschließlich Herren in dunklen Anzügen, strömten in den Saal der Handwerkskammer, um gemeinsam zu frühstücken, zu singen und launigen Reden zu lauschen.

Stecknitzfahrer auf dem Elbe-Lübeck-Kanal unterwegs

Es ist eine Tradition, die auf das Jahr 1424 zurückgeht. Geehrt werden die Stecknitzfahrer, die mit ihren Kähnen den Elbe-Lübeck-Kanal befuhren. Seither – und das ist laut Haase tatsächlich schon 218 Jahre her – wird vehement der Ausbau des Kanals gefordert. Und diese Forderung stand auch jetzt wieder im Fokus des gemütlichen Vormittags. Und der hatte es in sich: Pünktlich um zehn Uhr gab das Traditions-Polizeiorchester das Startsignal zum Einmarsch der Herren in den maritim geschmückten Festsaal. Eintrittskarten gibt’s nicht. Wer dabei sein will, muss auf eine Einladung der Schaffer warten. Jeder bringt sein Frühstück selbst mit, die Brötchen, das Braunbier und den Korn spendiert der Verein. Ein Highlight ist immer der Auftritt von Kindern der Kücknitzer Utkiek-Schule mit ihren plattdeutschen Liedern. Und die freuten („högten“) sich über das Backwerk – daher der Name Kringelhöge.

Strenge Sitten bei der traditionellen „Kringelhöge“

Das Lübeck-Lied und viele andere Ohrwürmer sangen unter anderem Jan Lokers, Leiter des Stadtarchivs, Frank Höhne, Pächter der Schiffergesellschaft, Lübecks Wirtschaftssenator Sven Schindler, der Chef des Nautischen Vereins, Kapitän Jürgen Schlichting, der finnische Honorarkonsul Bernd Jorkisch und der stellvertretende Direktor der Gemeinnützigen, Titus Jochen Heldt. Ein Fest, bei dem Zinnkrüge, gefüllt mit süffigem Braunbier, herumgereicht werden mit den Worten „Ik trink di to“, worauf sogleich erwidert wird: „Dat do“. Später wird es dann noch gemütlicher, wenn die Schaffer den strammen Grog in Suppenterrinen servieren und die Herren sich die langen Tonpfeifen mit dem würzigen Tabak anzünden. Und wer das nicht richtig macht, zum Beispiel nicht mit einem langen, dünnen Hölzchen, zahlt Strafgeld. Löhnen müssen auch jene, die eine Rede durch Dazwischenquatschen stören. Strenge Sitten bei einer geselligen, alten Traditionsfeier. jac

 

Foto: Ältermann Hartmut Haase (li.) und Senator Sven Schindler begutachten eine der Tonpfeifen. © jac

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