Baustellen 2018: Droht Lübeck der Verkehrskollaps?

Die Lübecker Altstadt ist nur über Brücken erreichbar. Was den besonderen Reiz der ehemaligen „Königin der Hanse“ ausmacht, wird zu einem immer größeren Problem: Zahlreiche Querungen sind marode und müssen dringend saniert oder ersetzt werden.

Das kostet nicht nur viel Geld, sondern führt natürlich auch häufig zu Verkehrsbehinderungen und Ärger bei den Autofahrern. Ein rotes Tuch ist für viele die Possehlbrücke. 2015 begannen die Arbeiten an dem 1956 errichteten Bauwerk, mehrere Fertigstellungstermine konnten nicht eingehalten werden. Grund: Der Neubau über die Kanal-Trave kommt nicht voran, weil sich Stadt und Bauherr um mehrere Millionen Euro streiten. Inzwischen gibt es für die Dauerbaustelle keinen verbindlichen Fertigstellungstermin mehr. „Das wäre unseriös“, sagte Bausenatorin Joanna Glogau bei der Vorstellung der geplanten Baumaßnahmen 2018.

Sanierungsarbeiten an der Lachswehrbrücke

Um die Dauer der Behinderungen im Straßenzug der B207 nicht noch weiter zu verlängern, werden parallel zum Bau der Possehlbrücke von Sommer 2018 bis Sommer 2019 dringend erforderliche Sanierungsarbeiten an der Lachswehrbrücke durchgeführt. „Derzeit werden mehrere Varianten der Verkehrsführung geprüft, um weiteren Stau auf der Lachswehrallee zu vermeiden“, so Joanna Glogau.

Arbeiten an der Bahnhofsbrücke

Ein weiteres Sorgenkind ist die Bahnhofsbrücke. Neben der Possehlbrücke gehört sie zu den wichtigsten Verkehrsadern der Stadt: Über die Possehlbrücke rollen normalerweise 32 500 Autos täglich. Bei der Bahnhofsbrücke sind es sogar knapp 40 000 Autos. „Eine zeitgleiche Sperrung von Bahnhofs- und Possehlbrücke soll es nicht geben“, versprach Noch-Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Dennoch: In diesem Jahr sollen 2,5 Millionen Euro für die Bahnhofsbrücke ausgegeben werden. „Das sind vorbereitende Maßnahmen“, sagt Matthias Drever, Bereichsleiter Verkehr der Hansestadt. Es müssten Leitungen verlegt werden für Ver- und Entsorgung. Der längst überfällige Neubau soll 2019 starten und bis 2022 angeschlossen sein. Ob die vierspurige Querung so lange durchhält, ist mehr als fraglich. „Wir sehen sehr dringenden Handlungsbedarf“, gibt Matthias Drever zu. Im schlimmsten Fall drohe sogar eine Sperrung. Dann wäre der Verkehrskollaps perfekt und auch der Bahnverkehr betroffen. Ob die Politik das Risiko eingeht? Schließlich geht es auch um viel Geld. Denn die Arbeiten an der Bahnhofsbrücke müssen 2019 starten, sonst sind 5,5 Millionen an Fördergeldern des Bundes weg.

Josephinenbrücke fällt als Ausweichroute aus

Sicher ist: Die Josephinenbrücke fällt als Ausweichroute für die Bahnhofsbrücke definitiv aus. Die 20 Meter lange Querung, welche die Einsiedelstraße mit der Posener Straße verbindet, wird von April 2018 bis April 2019 neu gebaut. Neben der Possehl- und der Josephinenbrücke ist die Wakenitzbrücke der dritte große Posten im Verkehrsetat. Hier steht im April der nächste Bauabschnitt der Grundinstandsetzung an. 2021 soll die Brücke dann fertig sein.

Staus rund um die Innenstadt

„Alle Projekte werden derzeit noch mit weiteren Beteiligten abgestimmt und sind zeitlich so vorgesehen, dass eine gegenseitige Behinderung möglichst gering gehalten wird“, heißt es von Seiten der Verantwortlichen. Angesichts des Zustandes vieler Brücken klingt das wie ein frommer Wunsch. Egal, wie es kommt: Die Lübecker werden auf Jahre hinaus mit Staus rund um die Innenstadt leben müssen. afu

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