„Radio sonnengrau“ will frei sein

Projekt gegen Depressionen hat Crowdfunding-Aktion gestartet, um eigenständig zu werden.

Für „Radio sonnengrau“ war das Jahr 2017 eher grau als sonnig. Das vielfach ausgezeichnete Webradio, das sich mit psychischen Erkrankungen beschäftigt, musste Rückschläge hinnehmen: Der Suizid eines Teammitglieds und Unstimmigkeiten mit dem Trägerverein haben das Projekt fast zum Erliegen gebracht. Doch nun will das Team neu durchstarten.

Hilfe für Suizidgefährdete

Tanja Salkowski hat 2014 mit „Radio sonnengrau“ ein Projekt angestoßen, das bundesweit für Gesprächsstoff sorgt – nicht nur in den regelmäßigen Radiosendungen, die das Team über das Web sendet. Zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem von der Bundesregierung, belegen die Notwendigkeit. Für Tanja Salkowski und ihr Team sind aber die positiven Rückmeldungen der Betroffenen viel wichtiger: „Neulich schrieb ein 15-jähriges Mädchen, dass wir ihr mit unserer Sendung das Leben gerettet haben. Sie wollte sich umbringen. Das sind die Momente, die uns weitermachen lassen.“

Aufklärungsarbeit in Schulen

Gerade wegen solchen Feedbacks hat „Radio sonnengrau“ nun eine Erweiterung seines Schaffens eingeleitet. Das Team will künftig nicht nur Radio machen, sondern auch Aufklärungsarbeit in Schulen leisten. „Depressionen, Selbstmord, Selbstverletzung sind Riesenthemen bei Kindern und Jugendlichen. Und die Lehrer sind damit häufig überfordert.“ Auch Betriebe sollen angesteuert werden, um den Firmen Hilfestellung zu geben, beispielsweise bei der immer größer werdenden Burn-out-Problematik.

Projekt der Deutschen Depressionsliga

Um diese Arbeit ausführen zu können, um noch mehr Gelder einsammeln und kreativer arbeiten zu können, will Tanja Salkowski nun aus „Radio sonnengrau“ eine gemeinnützige sonnengrau Unternehmergesellschaft (UG) machen. Bisher lief alles als Projekt der Deutschen Depressionsliga, doch das „sonnengrau“- Team will eigenständig werden.

Crowdfunding für „Radio sonnengrau“

Dafür hat Tanja Salkowski nun ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen, denn ein Neustart kostet Geld. Um die Radiosendungen, die Büromiete, Ausstattung und Mitarbeiter finanzieren zu können, sollen 50000 Euro als Startkapital gesammelt werden. Wer dazu beitragen möchte, kann das auf www.startnext.com/radiosonnengrau tun. „Wir haben so viele Ideen. Und wir müssen einfach weiter über dieses Thema reden“, sagt „sonnengrau“-Mitarbeiterin Nina Kingston. „Wir möchten weiter daran arbeiten, die Gesellschaft ein bisschen zu verändern“, fügt Tanja Salkowski hinzu. OP

 

Foto: Tanja Salkowski, Thomas Friedrich und Nina Kingston (v.li.) sind die Gesichter hinter dem Projekt. © OP

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