Wer zieht in das Lübecker Rathaus ein?

Am kommenden Sonntag entscheiden die Lübecker in der Stichwahl zwischen Kathrin Weiher und Jan Lindenau über die Nachfolge von Bürgermeister Bernd Saxe.

Jan Lindenau (38) ist Kandidat der SPD und Bankkaufmann von Beruf und seit gut 20 Jahren in der Kommunalpolitik. Er ist Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion.Jan Lindenau (SPD) ist Kandidat seiner Partei.

Wird es unter Ihrer Leitung mehr oder weniger Personalstellen in der Stadtverwaltung geben?

Unter meiner Leitung wird das bisher größte Personalgewinnungsprogramm der Hansestadt Lübeck gestartet. Dies ist dringend notwendig, da wir bis 2030 ca. 1400 Beschäftigte der Verwaltung in den Ruhestand verabschieden. Das sind 42 % aller Beschäftigten. Für die derzeitigen Beschäftigten bedeutet dies zugleich eine Arbeitsplatzgarantie. Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Fachkräftemangels müssen wir uns darauf vorbereiten, mit weniger Personal auszukommen. Deshalb will ich die Digitalisierung vorantreiben, so dass wir am Ende des Prozesses mit ca. 200 Stellen weniger auskommen als heute.

Wie wollen Sie Nichtwähler dazu bewegen, zur Stichwahl zu gehen?

Durch aktive Ansprache auf zahlreichen Veranstaltungen, bei Hausbesuchen, in sozialen Netzwerken und durch Aufklärung darüber, was diese Bürgermeisterwahl für Lübeck bedeutet. Es geht um unsere Stadt, nicht um die große Politik. Als Bürgermeister bin ich nicht weit weg, sondern nah bei den Menschen. Ich werde deutlich machen, dass ich ein Bürgermeister sein werde, der sich für die Menschen interessiert, der sich für sie stark macht. Der hin schaut und für den die kleinen Dinge genauso wichtig sind, wie die großen Ziele. Der nicht allen alles verspricht, aber das was er verspricht, auch umsetzt.

Warum sollten Wähler, die im 1. Wahlgang Detlev Stolzenberg gewählt haben, nun Sie wählen?

Weil viele Inhalte, die Herrn Stolzenberg im Wahlkampf wichtig waren und es weiter sind, auch meine Ziele für Lübeck sind: Die Wiedereröffnung der Stadtteilbüros und die Schaffung einer modernen Verwaltung mit attraktiven Online-Dienstleistungen, ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Bürgern und Verwaltung, transparente und verständliche Planungsprozesse, jährliche Bürgerversammlungen in allen Stadtteilen. Das Baustellen-Management will ich professionell aufstellen und den Stadtverkehr an den HVV anschließen, das Radwegenetz modernisieren sowie ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof ermöglichen.

Ihre Vision: Wie wird sich Lübeck am Ende Ihrer ersten Amtszeit verändert haben?

Der Bürgerservice der Stadtverwaltung wird kundenorientierter aufgestellt sein. Die Stadtteilbüros sind wieder eröffnet und zu Stadtteilhäusern weiterentwickelt. Auch digital bietet die Verwaltung Dienstleistungen an. Das Baustellen-Management ist neu aufgestellt. Bauvorhaben städtischer Akteure im Straßenbau sind verbindlich unter Einsatz digitaler Technik koordiniert. Die Betreuung für Kinder in Kitas, Tagespflege und Schulen ist verbessert worden. Der Sanierungsstau an Lübecks Kitas, Schulen, Straßen und Radwegen wurde weiter abgebaut und neuer, bezahlbarer Wohnraum ermöglicht.

 

Kathrin Weiher (55) ist Kandidatin von BfL, CDU, Die Linke, FDP und Grünen. 2014 wurde sie von der Bürgerschaft zur neuen Senatorin für Kultur und Bildung gewählt.Kathrin Weiher (parteilos) ist Kandidatin von BFL, CDU, Die Linke, FDP, Grüne.

Wird es unter Ihrer Leitung mehr oder weniger Personalstellen in der Stadtverwaltung geben?

Die Verwaltung muss personell gut ausgestattet sein und es muss gute Arbeitsbedingungen geben; dann arbeitet sie bürgerfreundlicher und das Betriebsklima wird besser. Ich werde dort, wo es nötig ist, zum Beispiel in den Servicebereichen der Verwaltung das notwendige Personal einstellen, zum Beispiel beim Melde- und Bürgerservice. Von einem Abbau von 200 Stellen im Zuge der Digitalisierung ,wie Jan Lindenau sie verspricht, halte ich nichts. Durch Digitalisierung kann Verwaltung besseren Service anbieten, sie darf aber kein Vorwand für Stellenabbau sein.

Wie wollen Sie Nichtwähler dazu bewegen, zur Stichwahl zu gehen?

Ich sehe die geringe Wahlbeteiligung mit großer Sorge. Denn gerade auf kommunaler Ebene werden viele Entscheidungen getroffen, die für die Bürger extrem wichtig sind: Welche Chancen haben unsere Kinder? Wie sieht das Kulturangebot aus? Gibt es genügend Arbeitsplätze? Wie leben wir im Alter oder mit einer Behinderung in unserer Stadt? Ich werbe dafür zur Wahl zu gehen, um bei dieser für die Entwicklung der Stadt wichtigen Wahl mitzuentscheiden.

Warum sollten Wähler, die im 1. Wahlgang Detlev Stolzenberg gewählt haben, nun Sie wählen?

Es geht jetzt um einen echten Wechsel. Die Stadt braucht nach 30 Jahren mit SPD-Bürgermeistern eine Erneuerung. Diese Erneuerung vertrete ich ebenso wie Herr Stolzenberg. Ich bin unabhängig und parteiübergreifend. Wir haben Schnittmengen in den Bereichen Denkmalpflege, Archäologie, Umwelt und Stadtplanung. Ich habe mich immer für den Erhalt der Hafenschuppen und eine behutsame Entwicklung der Nördlichen Wallhalbinsel ausgesprochen, die Wohnen und Kreativwirtschaft verbindet. Jan Lindenau, ein Verfechter des Kailine-Projekts, kann für die Wähler von Herrn Stolzenberg aus meiner Sicht keine Alternative sein, denn Herr Lindenau hat in der Bürgerschaft für die Schließung der Stadtteilbüros, den Abriss der Hafenschuppen und die Beseitigung der Linden an der Untertrave votiert.

Ihre Vision: Wie wird sich Lübeck am Ende Ihrer ersten Amtszeit verändert haben?

Die Verwaltung wird personell ordentlich ausgestattet sein, gute Arbeitsbedingungen haben, bürgerfreundlicher und moderner sein. Die Entwicklungschancen für alle Kinder und Jugendlichen werden Jahr um Jahr ausgewertet. Lübeck wird als innovationsfreundlich wahrgenommen werden. Ein spürbarer Rückgang der Arbeitslosigkeit wird davon Zeugnis geben. Die Wohnungsbauvorhaben einschließlich einer größeren Zahl an Sozialwohnungen werden abgeschlossen sein. Bürger- und Mitarbeiterbeteiligung werden durch regelmäßige Befragungen und Veranstaltungen spürbar verbessert worden sein. Fahrradfahrer werden Verbesserungen wahrnehmen. Der ÖPNV wird optimiert sein. Die E-Mobilität und das Breitbandnetz werden weiter ausgebaut sein.

 

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