Obstbauern beklagen schlechte Ernte

Zu nass, zu kalt, zu wenig Bienen – das schlechte Wetter im Frühjahr beschert den Obstbauern die schlechteste Ernte seit 25 Jahren. Deshalb hoffen sie, dass Kunden verstärkt regionale Äpfel kaufen.

Die Erträge bei Äpfeln in Schleswig-Holstein sind laut Landwirtschaftskammer um ein Viertel zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahr. „In diesem Jahr waren die Witterungsbedingungen besonders schlecht. Die Blüten sind entweder durch die späten Fröste im April beschädigt oder durch die kühlen Temperaturen im Mai von den Honigbienen gar nicht erst befruchtet worden“, weiß Tilman Keller vom Obstbauberatungsring des Alten Landes. Der Grund: Die kälteempfindlichen Tiere fliegen erst ab etwa 14 Grad Celsius zum Bestäuben der Blüten. So kommt es bei kalter Witterung gar nicht erst zur Frucht – ob bei Äpfeln, Birnen oder Pflaumen.

Höhere Preise sollen Ernteverlust ausgleichen

Vor allem Äpfel sind bei Kunden gefragt. Deshalb versuchen die Obstbauern den Ernteverlust über etwas höhere Preise auszugleichen. „Wir müssen bei den Verbrauchern um Verständnis werben. Diese sollten nicht Billigangebote aus Übersee, sondern norddeutsche Äpfel kaufen, auch wenn diese etwas teurer sind“, meint Tilmann Keller. Doch wie sich Wetterextreme und Klimawandel in Zukunft auf den Obstbau in Norddeutschland auswirken werden, können auch die Obstbauern nicht sagen.

Hanse-Obst e.V. setzt auf regionale Apfelsorten

Der Pomologe Heinz Egleder aus Lübeck sieht die Lösung des Problems ganz woanders: „Wir müssen uns zurück besinnen auf alte regionale Apfelsorten, die an unser Klima besser angepasst sind wie zum Beispiel Doppelnonne, Bismarck oder Holsteiner Cox. Diese sind nicht nur robuster, sondern auch widerstandsfähiger gegen schlechte Witterung“, ist der Mitbegründer des Vereins Hanse-Obst überzeugt. Doch die alten heimischen Sorten wurden zunehmend durch handelsübliche Tafeläpfel wie Elstar, Jonagold oder Gala vom Markt verdrängt. Diese stammen vom amerikanischen Apfel Golden Delicious ab und werden global kommerziell angebaut. „Wir wollen gegen den Strom schwimmen und die alten regionalen Apfelsorten erhalten“, meint der 69-jährige Rentner.

Sortenerhaltgarten am Moislinger Baum

Deshalb haben er und seine Frau Eva auf die geplante Weltreise verzichtet und stattdessen ein 3,5 Hektar großes Grundstück am Moislinger Baum in Lübeck gekauft. Hier sollen nun ein Sortenerhaltgarten entstehen und auch Wildbienen sich heimisch fühlen. Dafür wurden mit Kindern Nisthilfen für die Rote und Gehörnte Mauerbiene gebaut, zwei heimische Wildbienenarten. Der Vorteil: Wildbienen vertragen Kälte und Nässe besser als Honigbienen. Sie schwärmen bereits ab vier Grad Celsius zum Bestäuben der Blüten aus. Der Erfolg gibt Heinz Egleder recht: Trotz Wetterextremen in diesem Jahr haben die alten Apfelsorten sehr gut getragen. Für ihn ein kleiner Hoffnungsschimmer – auch in kalten Tagen. Saskia Langhans

 

 

Foto: Heinz Egleder von Hanse-Obst ist überzeugt: Alte regionale Apfelsorten sind besser an das Klima angepasst.

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