Was wird aus dem alten Schlachthof in Lübeck?

Im Rahmen des Architektursommers 2017 hat das Lübecker ArchitekturForum zur Begehung des Schlachthofgeländes an der Schwartauer Allee geladen.

Was manche seit Jahren als Rattenburg bezeichnen, gilt für andere als zumindest in Teilen erhaltens- und schützenswert: Im Rahmen des Architektursommers 2017 hat das Lübecker ArchitekturForum zur Begehung des Schlachthofgeländes an der Schwartauer Allee sowie zur Besichtigung des Rindertransportweges vom damaligen Viehhofkai über die teilweise abgebrochen Trift zum Schlachthof geladen. „Wir geben den Lübeckern Gelegenheit, sich eine Meinung zu den Chancen dieses bedeutenden Quartiers im Westen Lübecks zu bilden“, erklärt Jörn Simonsen vom Architekturforum.

Einziger noch erhaltener Seegrenzschlachthof

An die 70 Teilnehmer folgten der Einladung zur vierstündigen Veranstaltung. Verschlossen und von Vandalismus heimgesucht bot sich ihnen unter Erläuterungen von Jörg Sellerbeck von der Bürgerinitiative Rettet Lübeck (Birl) ein Blick auf Scherbenhaufen, alte Gebäudebestände und wilden Grünwuchs. „Ein gruseliger Ort“, war von einer Teilnehmerin zu hören. Als einziger noch erhaltener Seegrenzschlachthof bundesweit steht der Komplex nach den letzten Beschlüssen der Bürgerschaft unter Denkmalschutz, ein öffentlicher Wettbewerb wurde „dank des Erfolges bürgerlichen Engagements“, so Jörn Simonsen, beschlossen.

Schlachthofgelände im Fokus der Stadtentwicklung

Das Gelände bildet durch seine Lage eine unmittelbare Schnittstelle zwischen Altstadt und Vorstadt und ist seit langem mit Fragen nach Dichte, Freiraum und Verkehr konfrontiert. Seit Jahren steht das Gebiet im Fokus der Stadtentwicklung und beschäftigt die Politik. Das von der Wählergemeinschaft BfL eingeleitete Bürgerbegehren ist für das Architekturforum nicht nachvollziehbar. „Wieso soll jetzt alles so schnell gehen?“, fragt Simonsen. Vielmehr werde Zeit benötigt, die Stadtplanung der Hansestadt Lübeck stehe vor der Aufgabe, einen Weg zu einer quartiersgerechten und gesamtstädtisch sinnvollen Lösung zu finden. „Es geht um zusammenhängende konzeptionelle Vorstellungen für die Entwicklung des gesamten Stadtbereiches nordwestlich der Altstadtinsel, der vom Burgtorbereich über die Nördliche Wallhalbinsel bis zur MuK und von der Untertrave über die Roddenkoppel bis hin zum Schlachthofgelände reicht.“

Brücke zur Wallhalbinsel

„Wir müssen den Bogen größer schlagen, Visionen entwickeln“, pflichtet Karsten Schröder, Chef des städtischen Planungsamtes, bei. „Während es bisher vorrangig darum ging, ob es ein Kaufland oder ein Nahversorger wird, muss größer gedacht werden, um das große Schlachthofgelände nur 500 Meter von der Altstadt entfernt neu zu konzipieren. So eine Chance zur Neugestaltung bietet sich Lübeck so schnell nicht wieder.“ Thilo Gollan, Unternehmer und Chef der Kulturwerft Gollan, schlägt einen „Brückenschlag“ vor: Eine attraktive Verbindung des Quartiers mit einer „Brücke zur Wallhalbinsel und damit zur nahen Altstadt.“

Wohnungen auf dem alten Schlachthofgelände

Der Investor Thorsten Schulze beabsichtigt seit acht Jahren auf dem Schlachthofgelände 130 Wohnungen (30 Prozent Sozialwohnungen) sowie einen Kaufland (3800 Quadratmeter) plus Getränkemarkt und kleineren Geschäften bei einem Investitionsvolumen von etwa 25 Millionen Euro zu realisieren. Die Politik möchte einen Nahversorger für Anwohner, kein zusätzliches Verkehrsaufkommen durch Großeinkäufer der gesamten Region. mpa
Foto: Erläuterungen an der Pförtnerloge: Jörg Sellerbeck mit einigen der Interessierten. © mpa

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