Der Kräuterhof von Sabine Schwardt

Teil 2 der Wochenspiegel-Serie über Projekte der „Essbaren Stadt Lübeck“.

Die Tomaten sind wieder sehr schön gewachsen. Die prallen, eigenartig flachgedrückten Früchte leuchten im Garten von Sabine Schwardt in Niederbüssau. Die Augen der Gärtnerin leuchte ebenfalls: „Wir hatten in diesem Sommer ein absolut mieses Wetter, aber die Hamburger Platte ist toll gereift. Denn sie ist am besten für das Klima bei uns in Norddeutschland geeignet.“ Solche Tomaten könne man nicht im Laden nebenan kaufen, sie sei eine historische, regionale Sorte, erläutert sie. So wie das andere Gemüse, das die Lübeckerin in ihrem schönen Garten mit Namen „Kräuterhof“ in Pflanzenkübeln und Hochbeeten zieht. Etagenzwiebel zum Beispiel, oder Klippenkohl aus Helgoland, Heinrichs Riesenbohnen, Lila-Erbsen oder Fingerkartoffeln.

Historische, regionale Gemüsesorten aus Norddeutschland

Auf den Geschmack für alte Gemüsesorten ist Sabine Schwardt vor 20 Jahren gekommen. „Ich hatte gemerkt, dass die gängigen Nutzpflanzen immer einheitlich schmeckten. Und dass es auch schwierig war, sie richtig gut zu ziehen, ohne großartig etwas zu spritzen. So habe ich mich gefragt, ob es auch anders geht. Und so bin ich ganz schnell darauf gekommen, ökologisch zu gärtnern.“

Garten- und Kräuterführungen in Niederbüssau

Die heute verrentete Erzieherin hat sich Schritt für Schritt alles selbst beigebracht. Welche Kräuter- und Gemüsesorten für das hiesige Klima besser passen, welche Erde sie mögen, wie man sie am besten wachsen und gedeihen lässt. Und auch, wie man ein Nutzgarten schön gestaltet. „Ein Gemüsegarten muss auch was fürs Auge sein“, ist sie überzeugt. Deswegen lässt sie auch Wildblumen wie Königskerzen und Wegwarten zwischen den Beeten ihres Kräuterhofs wachsen. „Die sind außerdem wichtig für die Insekten, damit man auch Erträge bekommt“, berichtet sie. Selbst einige Stängel des giftigen und umstrittenen Jakobskreuzkrauts lässt sie stehen. „Diese Pflanze gehört auch zur hiesigen Natur. Und ich brauche sie, um den Leuten die Unterschiede zum ähnlichen, aber ungefährlichen Johanniskraut zu erläutern.“ Denn die quirlige Frau öffnet regelmäßig die Pforte ihres Gartens für Besucher. Ihr Wissen über Kräuter, wilde Pflanzen und vergessene Gemüsesorten teilt sie gerne mit und serviert es mit leckerer Kost. Ihre Führungen beinhalten auch ein Essen mit den Produkten ihres Gartens. „Dann haben die Leute nicht nur etwas gelernt, sondern es auch selbst geschmeckt.“

Wissen über Kräuter, wilde Pflanzen und vergessene Gemüsesorten

Für Sabine Schwardt ist die Initiative Essbare Stadt dabei eine wichtige Unterstützung. „Durch diese Vernetzung mit anderen Leuten tauscht man sich deutlich mehr aus, man bekommt mehr Kontakte und unsere Arbeit wird einfach bereichert.“ SDF

„Kräuterhof Lübeck“,
Schleusenstraße 15a
23560 Lübeck
Telefon 0451/ 56170.

 

Foto: „Die beste Tomate zum norddeutschen Wetter“: Sabine Schwardt schwört auf historische, regionale Gemüsesorten wie die Hamburger Platte. © SDF

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