Tønder: Kleines Städtchen, großes Festival

Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Flensburg an: Im dänischen Tønder trifft sich die musikalische Welt-Elite des Country, des Folk und der Rootsmusik alljährlich zum Tønder Festival. Vom 24.-27. August versammeln sich im direkt hinter der deutsch-dänischen Grenze Musiklegenden und heiße Newcomer.

Zu den Musiklegenden, die Tønder in diesem Jahr besuchen, zählt ganz sicher Loudon Wainwright III. Der amerikanische Songschreiber, der gerade seinen Siebzigsten gefeiert hat, tourt seit Jahrzehnten, schreibt Lieder, veröffentlicht Alben, ist als Schauspieler in Filmen wie „Aviator“ zu sehen gewesen. In Deutschland hat sich der Folker rar gemacht, war 2003 zuletzt live zu erleben. Auch die Grammy-Preisträgerin Lucinda Williams kommt nach Tønder. Die 63-Jährige baut auf ein solides musikalisches Fundament aus County, Folk und Blues und ist einer der ganz großen Namen der Americana-Szene. 1998 gelang ihr mit dem Album „Car Wheels On A Gravel Road“ der Durchbruch. Den hat Marc Cohn bereits mit seinem selbst betitelten Debütalbum von 1991, auf dem sich Songs wie das legendäre „Walking In Memphis“ oder „Silver Thunderbird“ befinden, geschafft. Lange Zeit hatte der Amerikaner Europa den Rücken gekehrt – zum Leidwesen seiner Fans. Für das Festival in Süd-Jütland wird Cohn nun wieder die Koffer packen.

Shovels & Rope’s ist eine der Bands, auf die sich viele Americana-Fans schon freuen. Das Ehepaar Cary Ann Hearst und Michael Trent gilt in der Szene als „tonangebend“. Sie waren Supporting-Acts für Jack White, Willie Nelson oder The Avett Brothers, zum dänischen Festival kommen sie zum ersten Mal. Anderson East war bereits 2016 zu Gast in Tønder und brachte die Bühnen dort mit seiner rauchigen Stimme, seiner dräuenden Mischung aus Blues, Soul und Rock und viel Sexappeal zum Kochen. Zu den mit Spannung erwarteten Newcomern gehört auch der Ire Foy Vance. Zu seinen Unterstützern gehören so klangvolle Namen wie Bonnie Raitt, Ed Sheeran und Elton John. Mit seinem Album „The Wild Swan“ wird er zum allerersten Mal in Dänemark zu hören sein.

Wer zum Tønder-Festival will, muss früh los fahren. An jeder Ecke der 8000-Seelen-Gemeinde gibt es dann nämlich etwas zu gucken – und natürlich zu hören. In den Kneipen und in der Fußgängerzone wird gejammt, musizierende Fahrradfahrer beschallen die Passanten, vor ihren Zelten auf dem riesigen Camping-Areal des Festivals sitzen Menschen mit Klampfen und Dudelsäcken.

Diejenigen, die es trotzdem zum Festivalareal nahe der Innenstadt schaffen, finden gleich neun Spielstätten vor: Eine großes Open-Air-Gelände ist darunter, zwei mächtige Zirkuszelte, kleine Spiegelpaläste, die an Clubs in New Orleans erinnern, sogar ein angrenzendes Kunstmuseum wird bespielt. Außerdem werden die Organisatioren ganze Restaurants oder sogar Plattenläden aufbauen. Zwischen den Auftritten können sich Besucher Kunst ansehen oder durch die hübsche Altstadt von Tønder schlendern. Denn in diesem „Mekka der Folk-Musik“ wird zwei Gänge zurück geschaltet: Das Publikum ist etwas gesetzter als bei üblichen Rock-Festivals, die Atmosphäre familiär. Oliver Pries

Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – kommen viele immer wieder gerne zu diesem erdigen Festival im dänischen Flachland.

Mehr Informationen (auch auf Deutsch) zum Tønder-Festival gibt es auf tf.dk.

(Fotos: Per Lange, Drew Gurian, Veranstalter)

 

 

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