Wie kann man Wildbienen schützen?

Die GAL lud zum Vortrag des Biologen und „Bienenreich“-Betreuers Norbert Voigt ein.

Wildbienen, das sind „die anderen Bienen“. Es sind nicht die fleißigen, staatenbildenden Honigbienen, die man in den Schulbüchern und Kindermärchen kennenlernt. Sondern die meist einsam lebenden Stechimmen. Sie produzieren keinen Honig und sind dennoch enorm wichtig, nicht nur für die Natur. Denn Kleinstvieh macht auch viel Geld, ganz viel Geld. Die Insekten bestäuben nämlich über ein Drittel aller Kulturpflanzen weltweit: ohne Insekten kein Obst, kein Kakao und kein Kaffee. „Der gesamte ökonomische Wert der Bienen und Wildbienen beträgt 153 Milliarden Euro pro Jahr“, rechnet der Diplombiologe Norbert Voigt vor. Der Heimatbund-Umweltreferent und Betreuer des Projekts Bienenreich vom Land Schleswig-Holstein hat einen Vortrag im Museum für Natur und Umwelt über Wildbienen gehalten. Eingeladen hatte ihn die GAL-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft.

Wildbienen sind für Landwirtschaft unerlässlich

Für die Landwirtschaft sind Wildbienen also unerlässlich, erläutert Voigt seinen rund 80 Zuhörern weiter. Bestimmte Hummelarten werden extra gezüchtet, um Tomaten und Paprika in Gewächshäusern zu bestäuben. Forscher der amerikanischen Harvard-Universität tüfteln sogar an einem fliegenden Bestäubungs-Roboter. Ob die mandelgroße „RoboBee“ wirklich sinnvoll sei, bezweifelt der Biologe.

Zersiedlung der Landschaft gefährdet Wildbienen

Aber es ist eine Tatsache, dass Wildbienen besonders bedroht sind. Von den in Schleswig-Holstein lebenden 296 Arten sind rund 50 Prozent gefährdet. Es sind nicht nur Insektenschutzmittel, Düngemittel und die industrielle Landwirtschaft, die den Stechimmen die Nahrung wegnehmen. Es ist die Zersiedlung der Landschaft, die den winzigen Flugkünstlern die Nisträume zerstört. Denn Sandbienen, Holzbienen, Mooshummeln, Feldwespen, Hosenbienen, Blattschneiderbienen, stumpfzähnige Zottelbienen und all die anderen Wildbienen sind Spezialisten. Jede benötigt als Nahrungsquelle bestimmte Pflanzensorten und haust nur in bestimmten Gebieten, sagt der Biologe. Die meisten Arten legen ihre Brut in Erdlöchern ab. Sie brauchen daher Magerwiesen, Heiden, Kies- und Sandgruben, die Abbruchkanten von Küsten und Gewässern, die blumenreichen Randstreifen von Äckern und Knicks.

Bienenhotels und Nisthilfen reichen nicht aus

Die mittlerweile verbreiteten Bienenhotels und Nisthilfen werden weniger häufig benutzt, als Gartenbesitzer hoffen, verrät der Wildbienenexperte. „Sie sind schöne und spannende Naturbeobachtungsstationen. Aber nur ganz wenige Arten nisten in Holz- oder Mauerlöchern. Mit den Bienenhotels alleine wird man die Naturvielfalt nicht erhalten“, warnt er. Eine gute Idee ist indes, im eigenen Garten ganz viele Blumen, Stauden und Gehölze zu pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. „Aber bitte nur Pflanzen mit ungefüllten Blüten. Gefüllte Blumen sehen toll aus, darin ist aber kaum Nahrung für Insekten“, rät Norbert Voigt. „Mit Blumenbeeten und Nisthilfen alleine können wir die Wildbienen nicht schützen“, mahnt er. „Um ihre Artenvielfalt zu erhalten, muss man die Vielfalt der Strukturen und Lebensräume erhalten.“ Dafür will sich die GAL einsetzen. Ihr Bürgerschaftsmitglied Katja Mentz wird beantragen, dass die Hansestadt einen Bienenschutzplan auflegt. SDF

 

Foto: Was hilft den Wildbienen? Biologe Norbert Voigt erklärte es im Museum für Natur und Umwelt. Auf dem Foto vor einem Insektenhotel zeigt er das Modell eines Nestlochs. ©Sdf

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