Ausstellung zur NS-Vergangenheit in Eutin

Die Wanderausstellung „Neue Anfänge nach 1945?“ in der Eutiner Michaeliskirche soll zur Aufarbeitung der NS-Geschichte beitragen.

Vom 20. Juni bis zum 18. Juli macht eine Wanderausstellung der Nordkirche im Kirchenkreis Ostholstein halt. Unter dem Titel „Neue Anfänge nach 1945?“ beschäftigt sich die Schau damit, wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen. Die 40 Tafeln sowie ein zusätzliches „lokales Fenster“ mit regionalem Bezug sind in der Eutiner Michaeliskirche zu sehen, die montags bis sonnabends von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Die Rolle der Kirche in der NS-Zeit

Gerade in den lutherisch geprägten Kirchen im Norden wurde die eigene Mitverantwortung für Holocaust und Krieg oft relativiert, geleugnet und verdrängt. „Wie hat unsere Kirche nach dem Ende der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten weitergemacht? Mit dieser bedeutenden Ausstellung stellen wir uns unserer Geschichte“, betont Propst Peter Barz. So hat die Kirchenkreis-Synode jetzt mit Scham festgestellt, dass sich die frühere Eutiner Landeskirche nicht eindeutig vom Unrecht distanziert und die eigene Rolle in der öffentlichen Unterstützung der Nazi-Ideologie bisher nicht kritisch aufgearbeitet hat.

Eutiner Kirche im Zwielicht

„Der Umgang mit der Vergangenheit war überall in Deutschland schwierig. Die einfachste Reaktion der Menschen war, nichts mehr darüber wissen zu wollen, weil man andere Sorgen hatte“, sagt der langjährige Eutiner Pastor Lutz Tamchina. Insofern sei die Kirche hier ein Spiegelbild der Gesellschaft gewesen. „Allerdings hat die Eutiner Landeskirche unter Leitung von Bischof Wilhelm Kieckbusch nach 1945 viele aus der NS-Zeit ideologisch belastete Pastoren aufgenommen, ohne zu verlangen, dass diese sich deutlich vom nationalsozialistischen Gedankengut distanzieren“, so Tamchina. Mit dieser Politik war Eutin in Kirchenkreisen bundesweit in Verruf gekommen.

Zeitzeuge bei Podiumsdiskussion in der Michaeliskirche

Selbst in den 60er-Jahren sperrten sich Kieckbusch und Kollegen noch vehement gegen eine Aufarbeitung der Vergangenheit: „Damals gab es einen Konflikt um den jungen Eutiner Gemeinde- und Jugendpastor Hartwig Lohmann. Die jungen Leute haben sich an ihn gewandt, wollten über die Rolle der Kirche in der NS-Zeit reden. Damit kam Unruhe in die Pastorenschaft“, so Tamchina. Lohmann wurde schließlich die Predigterlaubnis entzogen und aus der Gemeinde gedrängt. Der heute 93-jährige Theologe wird als Zeitzeuge am 28. Juni um 19 Uhr an einer Podiumsdiskussion in der Michaeliskirche teilnehmen, in der das Verhalten der Eutiner Landeskirche erörtert werden soll.

Ausstellung als politisches Signal

Die Ausstellung ist aber auch ein politisches Signal. Propst Peter Barz: „Wir sind besorgt über manche aktuelle Äußerung von Populisten. Wir positionieren uns da klar: Völkisches Denken ist mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Wehret den Anfängen!“»Weitere Infos zum umfassenden Begleitprogramm gibt es unter Telefon 04521/70130 oder online: www.kirche-eutin.de. VG

Foto: Die Theologen Philipp Bonse, Lutz Tamchina, Peter Barz und Michael Hanfstaengl (von links) laden zur Ausstellung nach Eutin ein. © Graap

 

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