Kinder lernen, Konflikte selbst zu regeln

Trainer Tomas Angermann achtet darauf, dass Setaish (li.) und Joel die Partnerübung richtig durchführen. (afu)

Achim-Bröger-Schule geht neue Wege – Pilotprojekt gegen Gewalt, Mobbing und Kinderfänger.

„Was macht ihr, wenn euch jemand ungefragt anfasst und euch ärgern will?“, fragt Tomas Angermann in die Runde. Sofort gehen ein paar Kinderhände in die Höhe.

„Laut ,Stopp, hör’ auf’ sagen und zur Schutzinsel laufen“, antwortet Setaish. Die Siebenjährige geht in die 1b der Achim-Bröger-Schule in Sereetz. Ihre Klasse nimmt an dem Pilotprojekt gegen Gewalt, Mobbing und Kinderfänger teil.

Zu diesem Thema gab es an der Grundschule zwar schon einige Aktionen. „Durch die Regelmäßigkeit über einen langen Zeitraum gehen wir nun aber noch einen Schritt weiter“, sagt Schulleiterin Wiebke Raub-Mennerich. Nach ihrer Überzeugung muss Prävention schon bei den Kleinsten ansetzen. Dadurch sollen die Kinder lernen, empathisch auf andere einzugehen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

Durchgeführt wird das Projekt von Tomas Angermann. Der Erziehungs- und Entwicklungsberater ist Inhaber von „ProKids – Ganz stark gegen Gewalt“ und bietet seit 2002 Hilfe bei den Themen Gewaltprävention, Sicherheit und Selbstschutz in Kitas und Schulen an. Sein Fazit: Die Schulen müssen neue Wege gehen. „Leider spart die Schulpolitik unsere Einrichtungen kaputt. Und die Eltern sind häufig überfordert, geben die Kinder ab und hoffen, dass die Erziehung an anderer Stelle klappt. Das reicht aber nicht“, so der sechsfache Vater.

In der Turnhalle üben Setaish und ihre Klassenkameraden unterdessen in Zweiergruppen, was ihnen Tomas Angermann zuvor kindgerecht und anschaulich erzählt hat. Neben der Praxis gibt es auch Tipps, wie die Grundschüler spielerisch ihre soziale Kompetenz stärken können. Dabei soll zum Beispiel die Drei-Freunde-Regel helfen. „Die drei heißen ,Höflich’, ,Nett’ und ,Freundlich’“. Die Kinder sollen sie immer mit in die Schule bringen und nach der letzten Stunde auch wieder mit nach Hause nehmen“, so der Trainer.

Was die Kleinen hier abseits des Klassenzimmers lernen, hilft ihnen auch für ihre weitere Schulzeit. Davon ist Ljiljana Rawohl überzeugt. „Denn das Thema Mobbing etwa zieht sich durch alle weiterführenden Schulen“, weiß die Lehrerin der Pilot-Klasse.

Bis zu den Sommerferien stehen zehn Trainingseinheiten auf dem Programm. Finanziert wird das rund 1000 Euro teure Projekt durch Spenden ansässiger Unternehmen wie der Sparkasse Ostholstein, Karls Erdbeerhof, den Klindwort-Apotheken sowie von engagierten Eltern. Ob es im kommenden Jahr eine Fortsetzung gibt, wird die abschließende Auswertung ergeben. Vielleicht macht das Projekt auch weiterhin Schule in Sereetz. afu

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