Geflüchtete aus Afghanistan zunehmend in Sorge

100 Besucher kamen zu einer Gruppenberatung in die Bad Schwartauer Räume der Lebenshilfe Ostholstein.

Bad Schwartau. Ein ungesichertes Bleiberecht, die Beendigung des Abschiebestopps und Signale aus der Bundespolitik, verstärkt abschieben zu wollen, machen vielen afghanischen Geflüchteten und auch den einheimischen Unterstützern Angst. Jetzt hat die Lebenshilfe Ostholstein mit dem Deutschen Kinderschutzbund Ostholstein, dem Flüchtlingsbeauftragten des Kirchenkreises Ostholstein und der Diakonie Schleswig-Holstein in ihren Räumen in der Straße Am Kirchhof zur Gruppenberatung für afghanische Geflüchtete und ihre Unterstützer in Bad Schwartau eingeladen.

„Gerechnet hatten wir mit 30 Menschen“, berichtete Catharina Witaszak, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Lebenshilfe Ostholstein. „Es kamen fast 100 – ein deutliches Zeichen, wie groß die Verunsicherung unter afghanischen Geflüchteten auch in Ostholstein ist.“ Unter den Teilnehmenden waren Familien mit kleinen Kindern und zu etwa einem Drittel Einheimische, die gleich zu Beginn deutlich machten, wie wenig sie der Aussage „Afghanistan ist sicher“ Glauben schenken.

„Wir wollen Angst nehmen“, so Volker Holtermann, Flüchtlingsbeauftragter des Kirchenkreises Ostholstein. „Es gibt keine automatische Abschiebung. Jeder Einzelfall unterliegt einer eigenen Prüfung“, erklärte Falko Behrens, juristischer Referent der Diakonie Schleswig-Holstein. Er zeigte die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen auf und konnte dank eines Dolmetschers auch die Fragen der Betroffenen beantworten.

„Es ist wichtig, gegen einen Ablehnungsbescheid Klage einzureichen. Notfalls auch ohne juristischen Beistand, wenn die finanziellen Mittel für einen Anwalt nicht reichen“, sagte Behrens. Lena Middendorf, Koordinatorin der Hilfen für Geflüchtete in Bad Schwartau und Stockelsdorf wies an dieser Stelle auf die Migrationsberatungsstellen im Kreis hin, als wichtige Anlaufstelle für viele konkrete Fragen im Asylverfahren.

Aber auch die Notwendigkeit der Integration wurde thematisiert. „Es ist schwer, sich in einer ungeklärten Lage zu motivieren. Aber das Erlernen der deutschen Sprache, Engagement in der Gemeinde und auch Praktika oder Erwerbstätigkeit tragen mit zu einer positiven Bewertung des Asylantrages bei“, versicherte Solveigh Deutschmann, Perspektivberatung Diakonie S-H.

Nach dem schweren Anschlag in Kabul wurden die Abschiebungen zunächst ausgesetzt. Zurzeit werden nur noch Straftäter und sogenannte Gefährder nach Afghanistan zurückgeschickt.

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