Der Ampelversuch an der Possehlbrücke geht weiter

Der Stau ist lang, aber der Verkehr rollt in beiden Richtungen. Die Ampel an der Possehlbrücke scheint sich zu bewähren. (SDF)

Es bilden sich dort zwar lange Staus – der Berliner Platz bleibt aber meist frei.

„Am Berliner Platz läuft’s.“ Matthias Drever, kommissarischer Leiter des Bereichs Verkehr, zieht im Bauausschuss eine verhalten positive Bilanz vom Ampelversuch an der Possehlbrücke. Der Stau zwischen Kreisel und Brücke habe sich reduziert, seitdem die Schaltzeiten der Lichtsignale vergangene Woche verändert wurden. Der Verkehr stadteinwärts hat dadurch drei Viertel der Zeit grünes Licht, der Verkehr Stadtauswärts ein Viertel. Eine weitere Verlängerung der Grünphase sei allerdings nicht möglich, erläutert der Bereichsleiter.

Die Baustellenampel war Ende April probeweise eingerichtet worden. Sie ermöglicht, die bis dahin teilweise gesperrte Trave-Querung in beide Richtungen zu befahren. Für das Experiment hatten die Unternehmer im abgeschnittenen Gewerbegebiet Genin kämpfen müssen, denn die Verkehrsverwaltung betrachtet es skeptisch. Die ersten Tage lief der Versuch in der Tat nicht so gut, berichtet Drever. Es kam tatsächlich zur gefürchteten Verstopfung des Berliner Platzes.

„Nach zwei Wochen können wir keine Verminderung der Staus in der Stadt feststellen, sondern eine Verlagerung.“ Die Autos füllen nicht mehr die Umfahrung über die Wallstraße nördlich der Brücke, sondern die Zulaufstraßen und Kreuzungen südlich davon. „Wir haben eine sehr starke Beeinträchtigung des Berliner Platzes zu den Stoßzeiten im Morgen- und besonders im Abendverkehr“, führt Drever weiter. Die Linienbusse verzeichnen Verspätungen von bis zu 35 Minuten, habe der Lübecker Stadtverkehr gemeldet. Besonders schlecht sei indes die Lage für die Radfahrer. Sie dürfen nicht auf der Fahrbahn der Possehlbrücke radeln, sondern müssen ihr Zweirad auf dem Fußgängerweg schieben. „Das hat für sehr viel Unmut gesorgt“, räumte Drever ein. Gegen das Radfahrverbot haben Grüne, GAL und ADFC protestiert.

Die Gewerbetreibenden in Genin sind zufrieden. „Die Rückmeldungen unserer Mitglieder sind durchweg positiv“, freut sich Detlef Zielke, Vorsitzender des Vereins Wir in Genin. Die Ampellösung sei ein Kompromiss, der nicht alle Probleme löse, „aber ich sehe keine verkehrstechnischen Schwierigkeiten, sie zu behalten.“

Der Test habe sich auch in der Innenstadt positiv ausgewirkt, findet Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Managements: „Der Schleichverkehr in der Innenstadt hat deutlich nachgelassen, das ist eine große Entlastung.“ Das bestätigt Arne-Matz Ramcke (Grünen): „Es gibt eine deutliche Verbesserung in der Wallstraße, die Anwohner sind froh darüber.“

Ob die jetzige Zwischenlösung beibehalten wird, bis die geplante Behelfsbrücke Ende des Jahres zur Verfügung steht, wird womöglich bald entschieden, sagt Bausenatorin Joanna Glogau (parteilos). „Die vier Wochen der Testphase sind noch nicht ganz erreicht. Aber wir besprechen das Thema jede Woche im Senat.“ SDF

Teile diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.