Ging es nicht eine Nummer kleiner?

Großbaustelle Priwall Waterfront: Links die Dünenvillen, rechts das riesige Parkhaus. (Fotos: Hn)

Den Bürgermeister-Kandidaten ist das Waterfront-Projekt zu mächtig

Im Herbst sind Bürgermeister-Wahlen in Lübeck. Der Travemünder Ortsrat bat in seiner April-Sitzung die bisherigen drei Kandidaten zur Vorstellungsrunde. Klar, dass im Seebad auch das Thema Priwall-Waterfront nicht fehlen darf. Die Baustelle für das touristische Großprojekt auf der Halbinsel ist nicht zu übersehen. „Gefällt Ihnen das?“, wollte Moderator Fritz Toelsner von den Bürgermeister-Kandidaten wissen. „Für mich sind die Gebäude an der Wasserkante zu hoch geraten“, antwortete Jan Lindenau (SPD). In den dänischen Ferienhäusern sieht er eine verträgliche Bebauung. „Aber die vorderen Gebäude sind aus meiner Sicht zu hoch.“

Auch die Kandidatin Kathrin Weiher (parteilos) findet kritische Worte: „Ich muss sagen, dass ich das Parkhaus ganz fürchterlich finde“, sagte sie in der öffentlichen Ortsratssitzung. „Das ist so eine Riesen-Baulichkeit.“ Von der Vorderreihe aus gesehen würden die Gebäude total dominieren und sähen im Moment „extrem langweilig“ aus, erklärte sie. „Ich war auch ein bisschen geschockt, wie diese großen Villen im Moment aussehen.“ Bauherr Sven Hollesen hätte ihr aber erzählt, dass alles noch mit relativ schmalen Holzbrettern verkleidet, sandfarben gestrichen und begrünt werde. „Vielleicht wirkt es dann schöner“, hofft Kathrin Weiher.

Als dritter Kandidat um das Bürgermeister-Amt äußerte sich Detlev Stolzenberg (parteilos): „Ich hätte mir gewünscht, dass Priwall Waterfront eine Nummer kleiner wäre.“ Wenn noch die vier Gebäude am Wasser stehen werden, „dann wird man sehen, wie eng das ist.“ Das Projekt bezeichnete er als „Stadtplanung von vor zwei Jahrzehnten“. Er hätte lieber eine Durchmischung aus Ferienwohnungen und ständigem Wohnen gehabt. „Wir kriegen 475 Ferienwohnungen“, erinnerte Stolzenberg. Und in der Nebensaison würde dann vieles leer stehen. „Das kann ein Ghetto werden. Ich hoffe es nicht“. Außerdem sei der Priwall von der Vorderreihe aus betrachtet nun auswechselbar mit anderen Ferienorten. „Das Besondere am Priwall ist verlorengegangen“, so Stolzenberg. » Der Offene Kanal Lübeck (OKL) sendet am Sonntag, 23. April, ab 14 Uhr eine Aufzeichnung der Kandidatenrunde. Zu empfangen auf 98,8 MHz über Antenne, 106,5 MHz im Kabel und auch als Livestream unter www.okluebeck.de.

HN
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2 Antworten auf &‌#8222;Ging es nicht eine Nummer kleiner?&‌#8220;

  1. Superstenz sagt:

    Was bis jetzt gebaut wurde ist ja nur ein Bruchteil von dem was in Kürze da noch „hochgezogen“ wird.Vor das Parkhaus werden ja noch Promenadenvillen und direkt am Wasser die Sonderbauten gebaut.Das Parkhaus wird man vor lauter Beton von der anderen Seite bestimmt nicht mehr sehen.

  2. Detlev Stolzenberg sagt:

    Die unangemessene Dimension von Waterfront hätten auch Herr Lindenau und Frau Weiher vorher erkennen müssen. Immerhin kommt offensichtlich langsam der Sinneswandel. Aber es wird noch schlimmer, wenn erst die Sonderbauten an der Kaikante gebaut werden. Dass sich jetzt Bürgermeister-Kandidat Jan Lindenau vor der eigenen Verantwortung drückt offenbart Politikermentalität. Bei der Ortsratvorstellung erklärte er doch schlichtweg, dass die Entscheidungen vor seiner Zeit getroffen worden seinen und er weitgehend an Waterfront unbeteiligt sei. Tatsächlich hat die SPD-Fraktion mit Jan Lindenau (und auch die CDU-Fraktion) den Bebauungsplan im vergangenen Jahr beschlossen. Die 500 Stellungnahmen der Bürger, die darum baten, behutsamere Vorgaben für die künftige Bebauung vorzusehen, wurden einfach vom Tisch gewischt. Nach zu hören am Sonntag um 14 Uhr im Offenen Kanal Lübeck.

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