Kleiderspenden im Sinne aller weitergeben

Kleiderspenden sichten und sortieren: Margot Baumeier (r.) mit weiteren Ehrenamtlern bei der Arbeit.

Die Gemeindediakonie in Lübeck will ihre Kleiderkammer für alle sozial Bedürftigen öffnen.

„Das war der helle Wahnsinn“, beschreibt Margot Baumeier die Situation, als die vielen Flüchtlinge im vergangenen Jahr täglich Schlange standen, um mit der notwendigsten Bekleidung und dann mit warmer Kleidung für den Winter versorgt zu werden. „Wir hatten alle Hände voll zu tun“, erinnert sich die ehrenamtliche Kraft, die vor zwei Jahren die von der Gemeindediakonie in der Schwartauer Allee eröffnete Kleiderkammer des Bereichs Obdach und Asyl mit aufgebaut hat und auch seit dem Umzug vor einem Jahr in die Wohnanlage für Asylsuchende in der Fackenburger Allee tatkräftig dabei ist.

Unter der Leitung von Daniela Möhlmann werden dort heute nur noch an zwei Donnerstagen im Monat Kleiderspenden, Bettwäsche, Kinderwagen und -karren von Ehrenamtlern entgegen genommen. „Die Lage hat sich deutlich entspannt“, bestätigt die Mitarbeiterin der Gemeindediakonie. Und es gibt große Mengen an Winterbekleidung, die nicht mehr abgefragt wird und eingelagert ist. Derweil werden nur noch leichte Sachen für Frühjahr und Sommer für erwachsene Migranten (nicht Größe XL oder XXL) und deren Kinder benötigt.

Die Gemeindediakonie, die in Lübeck insgesamt 48 Gemeinschaftsunterkünfte für Migranten betreibt, denkt mittlerweile über eine Öffnung der Kleiderkammer für alle sozial Bedürftigen nach. Die Nachfrage bei den Migranten ist inzwischen aufgrund der gesunkenen Flüchtlingszahlen deutlich zurückgegangen. „Die Bekleidungsspenden sind aber zweckgebunden ausschließlich für Flüchtlinge gespendet worden“, gibt André Weidmann, Bereichsleiter Obdach und Asyl, zu bedenken. Deshalb sollen in Kürze Gespräche mit dem DRK, den Johannitern und der Brockensammlung geführt werden. Auch dort wurden Kleiderspenden für Flüchtlinge gesammelt.

Pünktlich zum zweijährigen Bestehen der Kleiderstelle in der Fackenburger Allee wird dort ein neues Konzept eingeführt: Anhand eines Karteikartensystems ähnlich wie bei der Lübecker Tafel soll eine genaue Registrierung über Bestand und Bedarf möglich sein. Sechs Lübeckerinnen und vier Migranten sind ehrenamtlich eingesetzt, um die sauber abzugebenden Spenden zu sichten und zu sortieren.

Wilma Lasarzewski stößt als weitere Ehrenamtlerin mit ihrer Nähmaschine und Nähutensilien dazu: Sie näht Hosen für junge Migranten enger oder fertigt Kissenhüllen für Familien. „Alle kennen mich nur unter ,Oma Wilma’“, lacht die Lübecker Seniorin. Das sei in Ordnung, so verschaffe sie sich „Respekt bei den Jungs“, freut sie sich über das freundliche Miteinander. mpa

Kommentar hinterlassen zu "Kleiderspenden im Sinne aller weitergeben"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*