Ein Leben wie aus einem Roman

Herrin der Bücher: Stephanie Scheel leitet die Timmendorfer Gemeindebücherei. (KG)

Im Portrait: Stephanie Scheel war Kneipenwirtin, bevor sie Büchereileiterin und Grafikdesignerin wurde.

„Hast Du ein Buch über Chinchillas?“, fragt ein kleiner Junge und guckt Stephanie Scheel mit großen Augen an. Die schaut sofort in ihrem Computer nach und eilt dann zum Regal mit den Kinderbüchern und holt zwei Bände über Tiere hervor. Am Ende entscheidet sich der blonde Lockenkopf allerdings gegen die Tierbücher und leiht sich in der Gemeindebücherei von Timmendorfer Strand einen Bildband über Sterne und Planeten aus. Büchereileiterin Stephanie Scheel nimmt es gelassen und freut sich einfach über jedes Kind, das Spaß am Lesen hat.

Viel Zeit, um zurückgebrachte Bücher in die Regale zu sortieren bleibt ihr allerdings nicht, denn es herrscht reges Treiben in der Gemeindebücherei im Untergeschoss des „Alten Rathauses“ auf dem Timmendorfer Platz, und fast jeder, der die Bücherei betritt, kennt Stephanie Scheel und fragt sie um ihren Rat. Dabei ist sie eigentlich gar keine Bibliothekarin, kaum jemand kennt ihren spannenden Lebenslauf. „Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes am Strand groß geworden“, berichtet Stephanie Scheel. „Meine Oma hatte eine Strandkorbvermietung und hat damals für meine Geschwister und mich das Essen in ihrer Strandkorbvermieterbude gekocht.“ Auch nach dem Schulabschluss ist sie ganz in der Nähe geblieben und hat in Lübeck Grafikdesign studiert. „Danach habe ich zusammen mit einer Freundin eine Kneipe in der Fischergrube aufgemacht und auf den Namen ‚Fischers’ getauft. Nach weniger als einem Jahr haben wir das Fischers dann wieder aufgegeben.“ Zu den Gästen des Fischers zählte auch Helge Schneider. „Dem habe ich ein Thunfisch-Sandwich geschmiert“, erinnert Sich Stephanie Scheel.

Um nicht den Anschluss zu verpassen, folgte dann eine Weiterbildung am Computer und der Einstieg in die Werbetechnik. „Ein Teil der Stadtwerkebusse in Lübeck fuhr damals mit der von mir gestalteten Werbung durch die Gegend“, erinnert sie sich. Vor 15 Jahren kam ihr Sohn Carlson zur Welt und stellte ihr Leben ordentlich auf den Kopf.

„Ich bin kein Mensch, der plant“, erklärt Stephanie Scheel, die im Anschluss an die Elternzeit 2004 ein Praktikum bei der TSNT absolvierte und seitdem geblieben ist. Neben der Bücherei arbeitet sie auch als Grafikdesignerin für die TSNT. Damit hat sie den perfekten Arbeitsplatz gefunden, der dafür gesorgt hat, dass ein unruhiger Geist sesshaft geworden ist.

Nach Feierabend bleibt es allerdings turbulent, dafür sorgen neben Sohn Carlson ein Kater, eine Katze und jede Menge Hobbys. Denn wenn sie die Bücherei hinter sich abschließt, dann besucht sie gerne kleinere Konzerte, singt beim Chor LaTiDo mit, tobt sich beim Kampfsport mit dem klangvollen Namen Shinson Hapkido aus oder steigt für den guten Zweck auch schon mal im historischen Badekostüm auf ein Stand-up-Paddling- Board.

Ob sie Pläne für die Zukunft hat? „Ich bin glücklich so wie es ist. Aber auf die nächste Jazz Baltica in Niendorf freue ich mich schon, denn das ist genau mein Ding“, findet Stephanie Scheel, auf deren Nachttisch übrigens immer so viele Bücher liegen, dass sie gar nicht sagen kann, welches eigentlich ihr Lieblingsbuch ist. KG

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