Strom „made in Kücknitz“

Auf dieser versiegelten Altlast des ehemaligen Metallhüttengeländes in Herrenwyk könnte nach den Plänen von Ralf Giercke, BürgerEnergie Lübeck, ein Solarpark mit 750 kW Leistung entstehen. (HÖ)

Die BürgerEnergie Lübeck plant einen Solarpark auf dem früheren Metallhüttengelände.

Nachhaltige und regionale Erzeugung von Energie – davon träumt Ralf Giercke. Der Ingenieur ist einer von zwei Geschäftsführern der BürgerEnergie Lübeck, einer Genossenschaft von Gewerbetreibenden, Handel und Bürgern der Hansestadt. Giercke hat ein ganz bestimmtes Projekt vor Augen, nämlich einen Solarpark in Kücknitz. Genauer: auf dem Gelände der ehemaligen Metallhütte in Herrenwyk.

„Eigentlich schwebte mir eine andere Fläche direkt am Wendehammer Dampfpfeife vor“, erklärt Giercke. Dort stand mal ein Windrad, das nach dem Neubau der beiden Windräder in Ivendorf und Pöppendorf abgebaut werden musste. „Ein Kabel zur Ableitung des Stromes ist also vorhanden.“ Die Fläche wird allerdings von der Metallhüttengesellschaft anderweitig verplant und steht nicht zur Verfügung. Jetzt hat Giercke die Fläche zwischen dem Wanderweg entlang der Trave und dem Wendehammer im Visier.

„Auch diese Fläche ist eine Konversionsfläche“, so der Ingenieur. Das heißt, es handelt sich um eine versiegelte Altlast, die nicht anderweitig nutzbar ist. Dort möchte Giercke einen Solarpark mit 750 kW Leitung betreiben. Die dafür nötigen Solarpaneele werden in Inselbauweise errichtet, sodass die Fläche weiterhin Sonnenlicht und Regenwasser aufnehmen kann und weder Vegetation noch die Tiere damit nicht beeinträchtigt werden. „Hier wird nichts angetastet.“ Es müssen keine Bäume oder Sträucher gerodet werden, weil es sich um eine Freifläche handelt. „Die Fläche wurde mit Lavasteinen oberhalb der in 80 Zentimetern Tiefe liegenden Folie abgedeckt, sodass hier ein Trockenrasen entstehen konnte. Bäume oder Sträucher wachsen hier nicht“, versichert Giercke.

Auch die Eingriffe in den Boden halten sich in Grenzen. Als Fundamente sind so genannte Schuhfundamente aus Beton geplant, die oberflächlich eingeschoben werden. So ist der Schutz der Verkapselung gewährleistet. „Gleichzeitig können sich Reptilien wie die hier lebende Zauneidechse auf den Betonfundamenten sonnen“, so Giercke.

Damit keine Reflexionen den Schiffsverkehr auf der Trave stören, weisen die Solarmodule eine Pyramidenstruktur nach innen auf. „Das muss man sich wie eine negative Pyramide, also Löcher nach innen, vorstellen“, erklärt der Fachmann. Das auftreffende Licht wird so in das Innere geleitet und absorbiert, kann also nicht mehr reflektiert werden.

Mit der Strommenge, die der Solarpark erzeugen kann, könnten rund 600 Haushalte versorgt werden. Damit sollen die Pumpen betrieben werden, die das Gelände entwässern und das verseuchte Wasser zur Aufbereitung ableiten. Der übrige Strom könnte an die Gewerbetreibenden in Herrenwyk verkauft und auch Kücknitzern angeboten werden.

Jetzt hofft Giercke auf einen Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan im Bauausschuss oder einen Bürgerschaftsbeschluss. „Die Bundesnetzagentur braucht eine politische Willensbildung, damit das Projekt aufgenommen werden kann“, so Giercke. Das Vorhaben ist allerdings bei der Verwaltung auf Ablehnung gestoßen. Die Naturschutzbehörde wies darauf hin, dass es sich hier um eine Ausgleichsfläche handele und das Landschaftsbild beeinträchtigt werde. „Das ist falsch, gemäß Landesbauordnung gelten Solaranlagen unter einem Megawatt Leistung als nicht relevant“, korrigiert Giercke die Aussage.

Zudem soll laut Gesamtlandschaftsplan der Hansestadt mittelfristig die Ausgleichsfläche verlegt werden. HÖ

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