Regionalpläne Windkraft – Wie geht es weiter?

Die Sporthalle in Dissau war gut gefüllt: Auch aus angrenzenden Gemeinden waren viele Interessierte zur Info-Veranstaltung der Gemeinde Stockelsdorf gekommen. (Fotos: Hö)

Die Info-Veranstaltung der Gemeinde Stockelsdorf mit dem Staatssekretär Thomas Losse-Müller aus Kiel war sehr gut besucht.

„Der Dissauer Hof wäre zu klein gewesen“, verkündete Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann zu Beginn der Informationsveranstaltung in der Sporthalle Dissau. Die Gemeinde hatte dazu eingeladen, um zur Bürgerbeteiligung im Rahmen der Neuaufstellung der Regionalpläne Windkraft zu informieren. Auch aus den Gemeinden Ratekau und Ahrensbök waren Besucher gekommen.

„Wir sind in besonderem Maße betroffen wie keine andere Gemeinde in Schleswig-Holstein“, sagte die Bürgermeisterin und erläuterte weiter: „Mit dem Thema beschäftigen wir uns seit über acht Jahren.

Wir haben das bisher sehr positiv gesehen.“ Mittlerweile hat sich aber einiges verändert auf dem Gebiet der Gemeinde.

Im Windpark bei Obernwohlde sind 20 Windkraftanlagen gebaut worden, davon zwölf auf Stockelsdorfer Gebiet. Auch die Ostküstenleitung ist als Großprojekt hinzugekommen, die Gemeinde Stockelsdorf ist mit drei Leitungstrassen sowie einem zusätzlichen, doppelt so großen Umspannwerk in Pohnsdorf betroffen. „Damit nicht genug, es wird eine vierte Leitungstrasse in Richtung Süden diskutiert“, so die Bürgermeisterin, die davon erst aus der Presse erfahren hat.

Und nun sollen auf Stockelsdorfer Gebiet vier weitere Windeignungsflächen ausgewiesen werden, von denen jede Dorfschaft betroffen ist. „Damit tritt eine Umzingelungswirkung ein, die die Belastungsgrenze der Gemeinde weit überschreiten würde“, verkündete die Verwaltungschefin unter dem Beifall der Zuhörer. „Das sind dann 5,7 Prozent der Gemeindefläche, das ist weit über das Normale hinaus.“

Planer Raimund Weidlich von der Lübecker Firma Prokom begleitet die Gemeinde bereits von Anfang an in Sachen Windkraft. Der Planner erläuterte die Tabu- und Abwägungskriterien für die Erstellung der Regionalpläne. Die Landesplanung hatte die 380-kV-Trasse nicht als Abwägungskriterium berücksichtigt, obwohl sie zum Teil durch die Flächen verläuft. Rechtsanwalt Dr. Volker Arndt, der die Gemeinde in rechtlichen Fragen vertritt, empfahl: „Trotz der falsch getroffenen Abwägungsentscheidung sollte der Dialog mit der Landesplanung fortgeführt werden, so lange es geht.“

Der Leiter der Kieler Staatskanzlei Thomas Losse-Müller hatte also einen schweren Stand, als er die Pläne aus Sicht der Staatskanzlei erläuterte. Das wichtigste Ziel sei es, so Losse-Müller, objektiv und nach genauen Kriterien überall gleich die Flächen im Land abzuwägen. Lediglich 5,2 Prozent des gesamten Landes seien Abwägungsflächen, die in 934 Flächenstücke aufgeteilt seien. Davon sind nur noch 354 Einzelflächen mit 1,98 Prozent übrig. „Das ist extrem knapp im Hinblick auf die Erreichung der Klimaschutzziele und die Energiewende.“

Der Staatssekretär gab aber zu: „Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist hier in Stockelsdorf die Belastung besonders groß.“ Und da mittlerweile Vorhabenträger Tennet die Trassen für die Ostküstenleitung bei der Bundesnetzagentur angemeldet hat, könnten diese nun in der aktuellen Abwägungsrunde auch berücksichtigt werden. „Mit den Rückmeldungen aus der Anhörung werden die Karten sicher noch angepasst“, versprach er den Zuhörern. HÖ

Mehr zum Thema
Im Rahmen der Bürgerbeteiligung können Einwendungen noch bis zum 30. Juni eingereicht werden. Das kann entweder an die Staatskanzlei in Kiel oder online im Beteiligungsportal unter www.bolapla-sh.de geschehen. Dort stehen auch sämtliche Planunterlagen zum Download sowie eine interaktive Karte zur Verfügung, in die hineingezoomt werden kann. Stockelsdorf und die umliegenden Gemeinden sind im Planungsraum III zu finden.

Die Planunterlagen liegen außerdem noch bis zum 3. April im Bauamt der Gemeinde im Rathaus aus. Weitere Infos gibt es auch auf der Homepage der Gemeinde Stockelsdorf unter www.stockelsdorf.de im Bereich Windkraft, der auf der Startseite ganz unten verlinkt ist.

Öffentliche Regionalveranstaltung der Landesregierung: Zwei der vier Veranstaltungen finden am Freitag, 10. März, in Kiel, RBZ Wirtschaft, Westring 444, und am Mittwoch, 29. März, in Bad Oldesloe, Stormarnhalle, Am Bürgerpark, jeweils ab 18 Uhr statt, Einlass ist ab 17 Uhr. Anmeldeschluss ist jeweils drei Tage vor der Veranstaltung. Anmeldungen unter www.schleswig-holstein.de/Windenergie.

Teile diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.