Archäologen forschen am Hirtenberg

Die Studenten Ann-Katrin Walther und Jakob Hellman, Dr. Manfred Schneider, Abteilungsleiter Archäologie bei der Stadt Lübeck und Dr. Christoph Rinne vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität in Kiel begutachten die Untersuchungsergebnisse auf dem Plan des Bodendenkmals. (HÖ)

Wissenschaftler der Uni Kiel untersuchen das Bodendenkmal auf Hinweise für frühgeschichtliche Befestigungsanlagen.

Hat es auf dem Hirtenberg am Stülper Huk im Naturschutzgebiet Dummersdorfer Ufer einmal eine Burg gegeben? War das die Keimzelle des alten Travemünde, so wie es der Gedenkstein aus den 1930er Jahren beschreibt?

Das Gelände steht seit langem als Bodendenkmal unter besonderem Schutz. Da es auch als Naturschutzgebiet besonders geschützt ist, sind Untersuchungen an dieser Stelle problematisch, Grabungen können nicht durchgeführt werden. Zurzeit wird das Gelände rund um den Hirtenberg von Studenten der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel mit Hilfe eines Magnetometers untersucht. Dabei können ohne Eingriff in das Gelände Störungen des Erdmagnetfeldes untersucht werden. Solche Störungen ergeben sich durch Metalle, Keramikscherben oder andere Strukturveränderungen im Boden.

„Der Hirtenberg und das Stülper Huk liege schon lange im Fokus“, erklärt Dr. Manfred Schneider, Abteilungsleiter des Bereiches Archäologie bei der Hansestadt Lübeck. „Das ist eine faszinierende Lage und geradezu prädestiniert, dass hier etwas ist.“ Der Überlieferung nach soll dort reine Burg gestanden haben. Auch steinzeitliche Befunde belegen, dass dort schon früh Menschen gelebt haben. In den 1980er Jahren wurde durch besonders niedrigen Wasserstand in der Trave ein Feld von über 500 Holzpfählen entdeckt, die angespitzt in den Untergrund gerammt wurden. Die Ergebnisse der Altersanalyse weisen auf eine Zeit von 140 bis 180 n. Chr. hin. Genauere Untersuchungen dazu gibt es jedoch nicht.

„Das Bodendenkmal ist zur Trave hin durch ständige Abbrüche des aktiven Kliffs stark gefährdet“, erklärt Schneider weiter. Durch die Untersuchungen erhofft sich der Archäologe Ergebnisse, die einen Schutz des Kliffs vor weiteren Abbrüchen ermöglicht. Problematisch ist, dass hier der Naturschutz greift. „Die am Kliff nistenden Uferschwalben benötigen Abbrüche.“ So stehen hier die Interessen des Denkmal- und des Naturschutzes einander gegenüber.

Für Dr. Christoph Rinne vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der CAU ist es ein Glücksfall, dass seine Studenten dort Untersuchungsmethoden üben können. Sie haben in den vergangenen Wochen das Bodendenkmal mit dem Magnetometer abgeschritten und kartiert. Dabei mussten sie auch bis in Brusthöhe durch das Wasser waten, um die besagten Holzkonstruktionen zu untersuchen. Taucher haben darüber hinaus Proben entnommen, die weiter untersucht werden sollen. „Das ist eine der interessanten Ecken“, erklärt Rinne.

Auf dem Hirtenberg selbst ist ein bisschen was zu finden, so Rinne weiter, aber es seien keine Strukturen erkennbar. Wenn im 12. Jahrhundert dort etwas gestanden hätte, müsste es eigentlich anders aussehen. „Da ist es im Wasser deutlich spannender.“ Dort haben die Studenten und der wissenschaftliche Institutsmitarbeiter Torfkanten und weiteres organisches Material gefunden. Noch bis zum Ende dieser Woche sind die Kieler vor Ort, um weitere Untersuchungen durchzuführen. Anschließend werden die Ergebnisse ausgewertet. HÖ

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