„Die Politik lässt uns keine Wahl“

Keine zwei Stunden hat es am Dienstagmorgen gedauert, bis die Rotdornbäume in der Peterstraße gefällt und nur noch für Feuerholz nütze waren. Zierapfel soll im nächsten Jahr als Ersatz gepflanzt werden. (Fotos: Graap)

Bürgerinitiative sieht keine Notwendigkeit zur Vollsanierung der Innenstadt – Angst um Existenz treibt um.

Das Thema trifft offensichtlich den Nerv vieler Bürger und Geschäftsleute: Die Infoveranstaltung der „Bürgerinitiative (BI) für den Erhalt des historischen Eutins“ am Dienstag im Brauhaus war rappelvoll. Den Zuhörern wurde ein rabenschwarzes Bild von der Rosenstadt gemalt, falls es tatsächlich zur anstehenden Neugestaltung der Innenstadt kommen sollte.

„Wir würden einem Bürgerbegehren gerne aus dem Weg gehen. Aber die Politik lässt uns keine Wahl, wir haben Angst um unsere Existenzen“, sagte BI-Vertreter Marcus Gutzeit gleich zum Auftakt – und wandte sich direkt an die Kommunalpolitiker am anderen Ende des Saals. Alle Parteien hatten Beobachter geschickt. „Sie sind dann verantwortlich für Entlassungen in der Innenstadt und dafür, dass kulturelle Vielfalt verloren geht!“ Gutzeit versicherte, die BI sei nicht gegen eine Verschönerung der Stadt, nur gegen die unnötige Vollsanierung. „Neue Bäume, neue Lampen, ein besser verfugtes Pflaster – das alles können wir uns vorstellen“, so Gutzeit.

BI-Kollege Thorben Junge legte nach: „Die Vollsanierung ist der Knackpunkt. Man will auch an die Leitungen im Untergrund, obwohl diese noch maximal intakt sind und nicht angefasst werden müssen.“ Nach vielen Jahren der Bauzeit mit Dreck und Lärm werde es vieles in Eutin nicht mehr geben – weder individuelle Fachgeschäfte noch Marktbeschicker oder attraktive Veranstaltungen. „Wir wollen das Problem im Dialog klären, denn öffentlicher Streit ist nicht gut fürs Image der Stadt. Aber solange am Austausch der Leitungen festgehalten wird, können wir nicht nachgeben“, sagte Junge und betonte: „Wenn man sich die Stadt anguckt, kann man zufrieden sein. Wir haben etwas Tolles, es gibt keinen Grund zur Veränderung!“

Elfie-Jacqueline Meyer – die FDP-Kommunalpolitikerin hat sich auf die Seite der BI geschlagen – erläuterte anhand von Ausschussprotokollen die Beschlusslage zur Stadtsanierung. Dabei erweckte sie nicht nur den Eindruck, dass die Stadtvertreter angesichts der vielen Beschlüsse den Überblick über Planung und Kosten verloren haben könnten, sondern warf auch die Frage auf, ob es überhaupt einen Beschluss zur Vollsanierung der Peterstraße gegeben habe. Sie plädierte dafür, die Stopp-Taste zu drücken. „In diesem Ausmaß ist die Staatssanierung nicht nötig. Die Versorgungsleitungen in der Peterstraße sind gerade mal 35 Jahre alt, in der Stolbergstraße und Lübecker Straße müssten die Rohre viel dringender saniert werden.“

Veranstaltungsfachmann Helge Nickel bestätigte, dass die Organisation des Bluesfestes auf einem aufgerissenen Marktplatz unmöglich sei. „Und Veranstaltungen, die einmal ausgefallen sind, haben sich erledigt.“ Sarkastisch fügte er hinzu, dass diese Events durch „Baustellen-Partys mit Käpt’ Eu“ nicht zu kompensieren seien.»Weitere Infos im Internet unter www.bi-eutin.de

vg
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