Lübecker Sammler zeigen ihre Schätze

Die Serigrafien „Horizons“ von Gunter Fruhtrunk aus den 70er Jahren sind unter anderem zu sehen. (Fotos: Sdf)

Die Kunsthalle St. Annen präsentiert kostbare Stücke aus der Moderne.

Kunstkuratoren haben es manchmal mit schwierigen, mitunter störrischen Leihgebern zu tun. Das erlebte Oliver Zybok bei den Vorbereitungen der neuen Ausstellung in der Kunsthalle St. Annen wieder einmal. Er wollte ein geometrisches, tief schwarzes Gemälde eines jungen tschechischen Malers ausleihen. Der Eigentümer war einverstanden, berichtet Zybok. „Ich hatte die Rechnung aber nicht mit den beiden Töchterchen gemacht, die vier und fünf Jahre alt waren. Sie wollten auf das Bild in ihrem Heim auf gar keinem Fall verzichten. Es war erstaunlich, wie stark sich Kinder auch in zeitgenössischer Kunst identifizieren können.“ Zwei Wochen später hatte er aber auch diesen Widerstand überwunden. Mit Hilfe von Süßigkeiten. Für die anderen 136 Werke der Ausstellung „Lübeck sammelt I. Von Max Beckmann bis Miroslav Tichy“ brauchte der Leiter der Overbeck-Gesellschaft keine Leckereien. Die Sammler zeitgenössischer Kunst in Lübeck waren gerne bereit, ihre kostbaren Stücke der Öffentlichkeit zu zeigen.

„Es sind hanseatisch diskrete Menschen, die nicht genannt werden möchten“, sagt Zybok. Gleichzeitig hat die Kunsthalle St. Annen aus ihrem Depot selten, manchmal nie gezeigte Werke geholt. Es sind Geschenke Lübecker Bürger an die Museen der Stadt. Die Bandbreite der privaten Sammelleidenschaft hat selbst einen Kenner wie den Leiter der Lübecker Museen, Hans Wißkirchen, überrascht. „Lübeck ist nicht nur die Stadt der Tradition, hier wird zeitgenössische, höchst aktuelle Kunst gesammelt. Das ist auch für mich eine ganz neue Entdeckung.“

Geordnet sind die Gemälde, Fotos, Grafiken, einige Objekte und eine Installation von 62 Künstlern in grob chronologischer Reihe mit neun Themenschwerpunkte. Sie lassen den alten Streit um die abstrakte Kunst wieder aufleben, die Rückkehr der gegenständlichen Malerei, das Entstehen der Fotokunst in West- und Ostdeutschland, die politisch engagierte Kunst in der BRD und der DDR sowie die aktuellsten Entwicklungen der Gegenwart. „Die Schau zeigt damit einen tendenziellen Überblick über die Kunstgeschichte der vergangen 70 Jahre“, schildert Zybok: Zu sehen ist sie bis zum 21. März.

Ermöglicht wurde die Kooperation durch eine ungewollte Fügung. Der Pavillon der Overbeck-Gesellschaft wird seit Januar saniert und bleibt bis 2018 geschlossen. In dieser Zeit wird sie mehrmals in St. Annen gastieren. Die Kunsthalle selbst hat indes keinen neuen Leiter, seitdem Thorsten Rodiek im Juni 2016 in den Ruhestand verabschiedet wurde. SDF

Teile diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.