Lehrstunde zum Klimaschutz

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif referierte vor dem 13. Jahrgang des Beruflichen Gymnasiums in Eutin. Eingeladen hatte ihn der neue Debattierclub der Schule. (Jabs)

Professor Mojib Latif vom Geomar-Institut stand Schülern der Berufsschule Rede und Antwort.

Sein Schlüsselerlebnis war ein Titelbild im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“: 1986 sah Professor Mojib Latif den Kölner Dom auf dem Cover unter Wasser stehen – und von da an ließ ihn das Thema Klimawandel nicht mehr los. Seit vielen Jahren ist er als anerkannter Experte gefragt. Nun hielt er am vergangenen Dienstag an der Kreisberufsschule (KBS) in Eutin vor dem gesamten 13. Jahrgang des Beruflichen Gymnasiums einen Vortrag, der gleichermaßen nachdenklich machte und zum Handeln ermutigte.

Eingeladen hatte ihn der neue Debattierclub der Schule. Neun Schülerinnen und Schüler greifen hier in Eigenregie für sie relevante Themen auf und vertiefen sie im Austausch: „Man schult die Rhetorik und wird offener auch für Bereiche, die zunächst nicht so interessant scheinen“, erzählten die Mitglieder vorab.

Mit Professor Latif hatten sie auf einen Gast gesetzt, der Fakten und wissenschaftliche Daten klar darzustellen wusste: „Wir haben kein Erkenntnisproblem, es wurden nur nie die Konsequenzen aus dem Wissen gezogen“, stellte der Leiter des Forschungsbereiches Ozeanzirkulation und Klimadynamik und Leiter der Forschungseinheit Maritime Meteorologie am Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel klar. Für einen grundlegenden Wandel brauche es Engagement: „Wenn Sie sich nicht einmischen, passiert gar nichts!“, wandte er sich an sein junges Publikum. Er appellierte an die Jugendlichen, im eigenen Umfeld zu handeln und damit den „Worst Case“ abzuwenden. Ein dringliches Anliegen, wie die Fakten zeigen: Die Schmelze der Eisfläche auf der Erde habe bereits eingesetzt, der Meeresspiegel steige um drei Millimeter jährlich.

Den vermeintlichen Durchbruch beim Klimaschutzgipfel in Paris 2015 sah er skeptisch: „Das habe ich schon oft gehört, ohne dass dann Taten folgten.“ Gleichwohl erteilte er Fatalismus und Resignation eine Absage: „Wir sind spät dran, aber es ist noch nicht zu spät“, betonte Latif. Die notwendigen Technologien, um das Verbrennen fossiler Rohstoffe einzudämmen, gebe es. Als Beispiel für beharrlichen Einsatz nannte er den Atomausstieg. Unter vielen Gesichtspunkten beleuchtete der 62-jährige Wissenschaftler den Klimawandel und gab damit ganz im Sinne des Debattierclubs ein Beispiel für einen lebendigen Diskurs. Unter dem Strich stand die Frage: „Welche Welt wollen wir?“ verbunden mit dem Appell, aktiv zu werden.

Professor Mojib Latif lobte im Übrigen die Initiative des Eutiner Debattierclubs, dieses brennende Thema auf die Tagesordnung genommen zu haben. AJ

Wir sind spät dran, aber es ist noch nicht zu spät.“

Professor Mojib Latif,

Klimaforscher

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