Dräger setzt auf Standort Lübeck

Keine getrennten Produktionslinien mehr: In Drägers Zukunftsfabrik werden verschiedene Produkte je nach Auftragslage und Kundenwunsch gefertigt. Das spart Kosten. (SDF)

Das Unternehmen hat seine neuen Produktions- und Lagerhallen an der Revalstraße offiziell in Betrieb genommen. Die „Zukunftsfabrik“ optimiert die Produktionsabläufe.

Wirr und undurchdringlich erscheint uns oft die Zukunft. Ähnlich wirr erscheint dem Laien auf dem ersten Blick auch Drägers „Zukunftsfabrik“ an der Revalstraße. In der riesigen Halle B23 breiten sich über 300 Werkstationen aus, als ob sie kaum etwas miteinander zu tun hätten. Hier werden Düsen zusammengeschraubt, dort Schläuche gesteckt, dahinter elektrische Apparate geprüft und mit Stempel für gut befunden. Gelbe Güterzüge fahren auf vorgegebenen Kreisrouten durch die Halle, laden schwarze Kisten mit Bauteilen aus und nehmen halbfertige Geräte zur nächsten Arbeitsstation mit. Fast wie aus dem Nichts stehen dann in einer Ecke hochkomplexe und raffinierte Produkte bereit für die Auslieferung: Beatmungsgeräte und Narkoseapparate.

In den neuen Hallen von Dräger gibt es die klassischen Fertigungslinien nicht mehr, sagt der Leiter des Produktionsstandorts Lübeck, Stephan Kruse: „Früher war es so, dass eine Produktionslinie ständig im Schichtbetrieb arbeiten musste, eine andere hingegen nur für drei Tage ausgelastet war. Jetzt werden verschiedene Geräte, die dasselbe Ziel haben, zusammen erstellt.“ Multiproduktionslinie nennt man das. Noch ein neuer Begriff: ziehende Fertigung. Erstellt werden die Produkte exakt nach Kundenwunsch erst dann, wenn sie auch ausgeliefert werden müssen. Dadurch spart Dräger Lagerungskosten und auch Fahrtkosten. Denn das Unternehmen hat die Herstellung und die Lagerung an seinem Standort in der Revalstraße in Genin konzentriert. Im Stammsitz an der Moislinger Allee bleiben die Verwaltung, das Marketing sowie die Abteilungen für Forschung und Entwicklung. Dräger rechnet damit, dank der gesteigerten Effizienz 9,1 Millionen Euro pro Jahr zu sparen. „Damit machen wir unser Unternehmen fit für die Zukunft und sichern längerfristig diesen Standort“, sagt der Vorstandsvorsitzende Stefan Dräger. Die alten Überlegungen, die Produktion in Billiglohnländer auszulagern, seien nun Vergangenheit.

Bisher sind die Rechnungen für die Zukunftsfabrik aufgegangen. „Das Projekt wurde innerhalb des Budgets von 71,5 Millionen Euro und zum geplanten Termin abgeschlossen, ohne dass die Lieferfähigkeit beeinträchtigt war“, berichtet Stefan Dräger weiter. Über 30000 Quadratmeter wurden neu gebaut, weitere 17000 Quadratmeter Bestandsfläche überarbeitet. Rund 500 Mitarbeiter sind Anfang April von der Moislinger Allee an den neuen Standort umgezogen. Die Belegschaft wurde dabei – auch in Folge der Geschäftsschwierigkeiten 2015 und 2016 – um rund 140 Mitarbeiter reduziert. „Es waren keine betriebsbedingten Kündigungen, sondern auslaufende Verträge und Leiharbeiter“, betont Produktionsvorstand Rainer Klug. Gekürzt wurden noch die Arbeitszeiten. Statt 35 Stunden in der Woche wird 33 Stunden gearbeitet. Der Lohn entspricht jedoch 34 Arbeitsstunden. „Die Zukunftsfabrik war die richtige Entscheidung“, sagt Betriebsratschef Siegfried Kasang. Für die rund 5000 Drägerianer „ist diese Investition ein wichtiger Beitrag für die Standortsicherung der nächsten 10 bis 15 Jahre“. SDF

Die Zukunftsfabrik war die richtige Entscheidung.“

Siegfried Kasang,

Betreibsratschef

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