Idealisten übernehmen Weber-Café

Im ersten Stock hat Marco Scharge bereits mit der grundlegenden Sanierung begonnen und viele Bereiche entkernt. (Fotos: Graap)

Anne Neumann und Marco Scharge sanieren das historische Gebäude und planen bis Juni die Wiedereröffnung als Kaffeehaus im klassischen Stil.

Manchmal geschehen eben doch noch kleine Wunder: Das Geburtshaus von Carl Maria von Weber mit dem seit fünf Jahren leerstehenden Café hat neue Besitzer gefunden: Anne Neumann (37) und Marco Scharge (39) aus Rastorf bei Preetz haben das 1745 erbaute Wohn- und Geschäftshaus erworben und sind jetzt dabei, es überwiegend in Eigenregie umfassend zu sanieren. Dabei trifft das Haus, das Geschichte atmet, auf zwei Idealisten: Sie wollen dem Weber-Café neues Leben einhauchen und es als klassisches Kaffeehaus Ende Mai/Anfang Juni wiedereröffnen.

Das junge Paar hat gezielt in Ostholstein – „in Riechweite zur Ostsee“ – nach dem passenden Objekt für den Aufbau ihrer Zukunft gesucht. „Wir haben uns viele Gebäude angesehen, beim Weber-Café

stimmte einfach das Bauchgefühl. Es hat Charme und Historie“, sagt Scharge, der im Baustoffgroßhandel tätig ist und viel Erfahrung mit alter Bausubstanz hat. Seine Lebensgefährtin ist Köchin, Servicekraft und leidenschaftliche Bäckerin. Beide haben hohe Ansprüche: „Wir wollen etwas schaffen, wofür es sich für die Gäste lohnt, herzukommen. Ein klassisches Kaffeehaus mit eigenem Stil und einem gewissen Schick, das bei Waren und Service auf Qualität setzt“, betonen die neuen Eigentümer. Profitstreben steht bei ihnen nicht im Vordergrund.

Das Konzept steht: Es soll hochwertiges Frühstück sowohl für den schnellen als auch für den gemütlichen Gast, einen Mittagstisch mit guter Hausmannskost und natürlich selbst gemachte Torten, Kuchen und Brote sowie Kaffeespezialitäten geben. „Das alles möglichst in Bio- und Fairtrade-Qualität und in Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern“, erläutert Anne Neumann. Die selbst hergestellten Produkte – von Marmelade bis zu Eingemachtem – sollen außerdem auch abgepackt verkauft werden. „Darüber hinaus planen wir, Backkurse für Schulen und Kindergärten sowie Veranstaltungen zu Gesundheit und Ernährung in Theorie und Praxis zu organisieren“, sagt die Gastronomin, die in der Backstube den alten, noch voll funktionsfähigen Backofen bereits in Betrieb genommen und erste Backtests durchgeführt hat.

Geplant sind Öffnungszeiten zwischen 8 und 18 Uhr. „Das bedeutet, dass im Anschluss Raum bleibt für kulturelle Veranstaltungen, für Lesungen oder kleine Konzerte. Außerdem sind wir in Kontakt mit dem Eckernförder Künstler Eckhard Kowalke, der für die Wandflächen Wechselausstellungen verschiedener Künstler auf die Beine stellen will“, ergänzt Scharge.

Zuvor muss aber noch jede Menge Arbeit in die Sanierung des Gebäudes gesteckt werden. Der erste Stock, in den die Betreiber Ende Februar selbst einziehen wollen, ist eine einzige Baustelle. Er ist teilweise entkernt, die Zwischendecke zum Dachboden wurde entfernt, der Dielenboden aufgenommen. Säckeweise liegt der neue, biologische Dämmstoff bereits bereit, um verarbeitet zu werden. „Nach dem Einzug haben wir gut drei Monate Zeit, um den Gast- und Küchenbereich umzubauen – und die werden wir sicher auch brauchen“, vermutet Scharge.

Eines wissen die neuen Café-Betreiber ganz genau: So ein Projekt braucht einen langen Atem, und den sind sie gewillt, zu investieren. vg

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