Die Linden bleiben

So wie hier in der Travemünder Schule am Meer wurden nach 18 Uhr die Stimmen ausgezählt. (HN)

Der Bürgerentscheid ist mit der hauchdünnen Mehrheit von 50,3 Prozent zugunsten der Linden entschieden. Der Umbau der Untertrave ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben.

Es war ein regelrechter Wahlkrimi. Am Sonntagabend blieb der Ausgang des Bürgerentscheids über den Erhalt der Linden an der Untertrave bis zuletzt äußert umkämpft. Am Ende setzten sich die Ja-Stimmen (50,3 Prozent) mit 0,6 Prozentpunkten Vorsprung durch. Mit Nein hatten 49,7 Prozent der Wähler gestimmt. Umgerechnet haben gerade 255 Stimmen den Ausschlag gegeben, um die 48 Winterlinden zu erhalten. Der Bürgerentscheid konnte sich am stärksten in den Wahlbezirken durchsetzen, wo die Wahlbeteiligung am geringsten war: in Moisling (59,0 Prozent Ja, Wahlbeteiligung 18,6 Prozent) und in Kücknitz (57,7 Prozent Ja, Wahlbeteiligung 14,9 Prozent). In St. Jürgen (46,3 Prozent Ja, 53,7 Prozent Nein) und in der Innenstadt (47,5 Prozent Ja, 52,5 Prozent Nein) hingegen hatte der sofortige Umbau der Untertrave mit 60 neuen Bäumen die meisten Befürworter. In diesen Bezirken war die Wahlbeteiligung besonders hoch: 37,2 und 26,7 Prozent. Die durchschnittliche Wahlbeteiligung lag bei 23,2 Prozent. Zum Vergleich: Beim Bürgerentscheid zum Weiterbetrieb des Flughafens 2010 hatten 31,4 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben.

Durch den Ausgang dieser Wahl ist die jahrelang geplante Umgestaltung der Kaikante zwischen Holstentor und Drehbrückenplatz faktisch gestoppt. Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist für mindestens zwei Jahre bindend. Eine zügige Umgestaltung mit den Linden wird es nicht geben, unterstrich Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Die Fördermittel sind verloren“, erklärte er auf einer Pressekonferenz am Tag nach der Wahl. „Eine Entscheidung inklusive der Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel zur Umplanung und zum Umbau wird die Lübecker Bürgerschaft in einem weiteren Verfahren treffen müssen.“ Voraussichtlich im Februar werde die Verwaltung der Bürgerschaft eine Berichtsvorlage als Entscheidungsgrundlage für das weitere Verfahren zur Umplanung und Umgestaltung der Untertrave vorlegen. „Die Linden bleiben erhalten, und alles bleibt wie es ist“ kommentierte ein enttäuschter Bausenator Franz-Peter Boden (SPD). „Wenn zwölf Prozent der stimmberechtigten Lübecker gegen eine solche Planung stimmen, dann haben wir es zu respektieren. Aber wir dürfen es im Interesse dieser Stadt bedauern.“

Der Fraktionschefin der Grünen in der Bürgerschaft, Michelle Akyurt, freut das Ergebnis des Bürgerentscheids: „Für uns ist klar: Priorität haben die Maßnahmen, wo der Sanierungsstau massiv ist. Das sind die Brücken und Wege der Stadt, die Schulen und andere öffentliche Gebäude. Die Zeit für Luxusmaßnahmen ist erstmal vorbei.“ SDF

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