Zweites Gutachten zu den Linden

Auch Dr. Horst Stobbe (Institut für Baumpflege, hier mit Senator Boden) meint, dass die Winterlinden den Umbau der Untertrave zur Flaniermeile nicht überstehen werden. (SDF)

Institut für Baumpflege bestätigt: Die Bäume an der Untertrave würden einen Umbau der Straße nicht überleben.

Sie sind zu klein, weisen Schäden auf, ihre Äste brechen ab und einige sind bereits dabei zu vergreisen. Die Winterlinden an der Untertrave sind auch nach Meinung des Instituts für Baumpflege aus Hamburg in einem schlechten Zustand, und sie würden Bauarbeiten nicht überstehen.

Der staatlich geprüfte Gutachter, Dr. Horst Stobbe, bestätigt damit sowohl die Einschätzung der städtischen Baumpfleger als auch die Expertise des öffentlich bestellten Sachverständigen Andreas Scheel. Die 48 Linden sollen nach den Plänen der Stadt gefällt werden, um die Untertrave zu einer breiten Flaniermeile mit 60 neuen Bäumen umzugestalten. Das Aktionsbündnis „Lübecks Linden leben lassen“ kämpft dafür, dass die Winterlinden erhalten bleiben. Die Baumschützer stellen die bisherigen Gutachten in Frage und halten einen Umbau beim Erhalt der Linden für möglich.

Horst Stobbe stellte seine Befunde am Mittwoch vor. „Die Winterlinden weisen für ihr Alter einen schlechten Vitalitätszustand auf. Sie könnten deutlich besser aussehen“, fasste er zusammen.

„Auch wenn sie mittelalt sind – ihr Alter beträgt zwischen 50 und 70 Jahre alt – sind sie sehr kleinwüchsig und schon vergreisend. Sie kommen mit den Wachstumsbedingungen am Standort nicht zurecht.“

Stobbe verglich die Winterlinden an der Untertrave mit Pflanzen, die in einem zu engen Topf wachsen: Ihre Wurzeln hätten zu wenig Platz für das Wachstum. Diese würden daher nahe der Oberfläche nach Luft, Wasser und Nährstoffen suchen und somit Schäden an der Pflasterung und Stolperkanten verursachen.

Den Linden bescheinigt der Experte keine lange Lebenserwartung. 15 Bäume könnten bereits in fünf bis sechs Jahre abgängig sein. Für die anderen gilt die Prognose „10 plus x“. „Fällbedürftig sind sie nicht. Wenn an der Untertrave nichts gemacht würde, könnten sie noch stehen bleiben“, betont der Sachverständige. Jedwede Baumaßnahme würden die Winterlinden allerdings nicht überstehen, ist er sich sicher. „Sie würde zur Schädigung des Wurzelwerkes und damit der Bäume führen.“ Auch durch vorsichtiges Abbau der Pflasterung in Handarbeit könnten Beschädigungen nicht ausgeschlossen werden.

„Wenn die Untertrave umgebaut wird, sollte man die Linden fällen und mit neuen, gesunden Bäumen ersetzen.“ Voraussetzung dafür ist, dass die Wurzel der neuen Bäume ausreichend Platz zum Wachsen erhalten.

Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) freute sich über die Ergebnisse. Auch weil sie das Fachwissen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestätigt. „Wir verstehen was von Bäumen und das sollte niemand leichtfertig in Frage stellen“, betonte Boden. SDF

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